Lazar Fundo
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FORVM, No. 361/363

Übermensch a.D.

Albaniens Abschied von Enver Hoxha
März
1984

Orwells Jahr 1984 beschert Albanien, dem ersten deklariert atheistischen Staat der Welt, einem Land, in dem Nietzsches „Neuer Mensch“ mithilfe streng stalinscher Methoden hätte blutvolle Realität werden sollen, einen kleinen Hoffnungsschimmer humane Schwäche: der zitternd verehrte Parteichef Enver (...)

Lazar Fundo, auch Llazar bzw. Zai Fundo (* 20. März 1899 in Korça; † 20. September 1944 in Kolesian bei Kukës), war ein albanischer Politiker und Mitinitiator der Partei der Arbeit Albaniens.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fundo entstammte einer in der Stadt Voskopoja beheimateten Familie von Händlern. Nach Abschluss der Höheren Schule besuchte er das französische Lyzeum in Saloniki und studierte anschließend Jura in Paris.[1]

Anfang der 1920er Jahre wurde er Mitglied der von Avni Rustemi gegründeten kommunistischen Union Bashkimi, deren Leitung er nach dessen Ermordung im April 1924 übernahm. Fundo leitete die Organisation bis zum Anschluss an das dem christlich-orthodoxen Bischof und Politiker Fan Noli nahestehende Komiteti i Çlirimit Nacional (KÇN) im Jahr 1927.[2] 1924 nahm er aktiv an der von Noli geführten sogenannten Junirevolution teil. Nach dem Scheitern der Regierung Noli emigrierte Fundo Ende 1924 zunächst nach Wien, dem Zentrum der Kommunistischen Balkanföderation (KBF), und von dort in die Sowjetunion. Dort wurde er Leiter der „ausländischen Studenten“ und arbeitete in der albanischen Abteilung des Komintern. 1929 nahm er an der 8. Konferenz der KBF teil, auf der die Gründung einer Kommunistischen Partei Albaniens beschlossen wurde, zu der es allerdings erst 1941 kam. Daneben war er als Journalist tätig, so 1930/31 für die Zeitschrift „Die Balkanföderation“ in Wien.[3]

1933 war er in Deutschland und nahm als Beobachter am Reichstagsbrandprozess teil. Nach dem Freispruch von Georgi Dimitrow reiste er mit diesem zurück nach Moskau. Während des Spanischen Bürgerkriegs war er mit der Organisation albanischer Freiwilliger beschäftigt und in der Front populaire in Paris aktiv. In diesen Jahren wandte sich Fundo allmählich vom Kommunismus stalinistischer Prägung ab und näherte sich sozialdemokratischen Positionen an.

Während der Phase des Großen Terrors in der Sowjetunion wurde auch gegen Fundo ermittelt. 1938 wurde er nach Moskau zurückgerufen, von einer Untersuchungskommission der Komintern verhört und daraufhin aus der Partei ausgestoßen. Dank seiner Freundschaft mit Dimitrov gelang es ihm, nach Frankreich zu entkommen. Er entging so dem gegen ihn ausgesprochenen Todesurteil.[4]

Nach der italienischen Annexion Albaniens 1939 kehrte Fundo nach Korça zurück und arbeitete bis zu seiner Entlassung 1940 als Gymnasiallehrer. In dieser Zeit war er im (nichtkommunistischen) Untergrundkampf gegen die Besatzungsmächte aktiv. 1941 wurde er verhaftet und auf die italienische Internierungslagerinsel Ventotene deportiert. Nach dem Zusammenbruch des italienischen Faschismus 1943 aus der Haft befreit, ging er zurück nach Albanien. Dort wurde er im September 1944 von kommunistischen Partisanen gefangen genommen und auf Befehl von Enver Hoxha, der eine Weisung des Komintern und Titos ausführte, als Trotzkist und Renegat vor den Augen von Angehörigen der britischen Militärmission zu Tode geprügelt.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Branko Lazitch, Milorad M. Drachkovitch: Biographical Dictionary of the Comintern. Stanford CA: Hoover Institution Press, Rev Sub Ed. 1986. ISBN 0-817-98401-1
  • Owen Pearson: Albania and King Zog. London: I.B.Tauris, 2005. (Albania in the Twentieth Century, a History. Bd. I) ISBN 1-845-11013-7
  • Owen Pearson: Albania in Occupation and War. London: I.B.Tauris, 2006. (Albania in the Twentieth Century, a History. Bd. II) ISBN 1-845-11104-4

Weblink[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Darstellung folgt, wo nicht anders angegeben, Giovanni Falcetta: Biografia di Lazar Fundo (1899-1944). (s. Weblinks).
  2. Michael Schmidt-Neke: Entstehung und Ausbau der Königsdiktatur in Albanien (1912-1939). München 1987, S. 189.
  3. s. B. Lazitch, M. M. Drachkovitch: Biographical Dictionary of the Comintern. Stanford CA 1986, S. 130f.
  4. O. Pearson: Albania in the Twentieth Century. Bd. I. London 2005, S. 396.
  5. G. H. Hodos: Schauprozesse. Berlin 2001, S. 30; nach Darstellung von Giovanni Falcetta (s. Weblinks) wurde er gefoltert und erschossen.