Melito von Sardes
Beiträge
Context XXI, Heft 2/2002
Wessen Antisemitismus?

„Für die Juden geht man nicht auf die Knie“*

Antisemitismus in den Wiener Pfarrblättern der Zwischenkriegszeit
Mai
2002

Die katholischen Pfarrer und deren „Kaplansbewegung“ mussten zwar im März 1938 ihre Macht an die Nationalsozialisten abgeben, nicht jedoch weil sie etwa den zähen Kampf um die Frage, wer denn nun der bessere Antisemit sei, verloren hätten, sondern aus einer Vielzahl anderer Gründe. In der Schlacht (...)

Melito (altgriechisch Μελίτων Σάρδεων Melítōn Sárdeōn, gest. um 180 n. Chr.) war Bischof in Sardes bei Smyrna. Von ihm ist die älteste überlieferte Zusammenstellung eines Kanons des christlichen Alten Testaments überliefert. Melito wird in der römisch-katholischen Kirche und den orthodoxen Kirchen als Heiliger verehrt. Sein Gedenktag ist der 1. April.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Melito sind Details nur bei Eusebius von Caesarea überliefert. Als einer der frühen Apologeten verteidigte er das Christentum gegenüber Kaiser Mark Aurel.

Eusebius berichtet, Melito habe das Heilige Land bereist, um die Schriften der jüdischen Bibel zu sichten. Seine Zusammenstellung des Alten Testaments enthält nur die hebräischen Schriften und ähnelt damit sehr dem jüdischen Kanon des Tanach.

Im Osterstreit zählte er zu einem wichtigen Vertreter der Quartodezimaner, die eine Feier des Osterfestes am 14. Nisan forderten.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Melito wird eine Homilie zu Ostern Peri pascha zugeschrieben, die in drei Handschriften überliefert ist.[1] Diese weist starke antijudaistische Züge auf. Darin ist erstmals die These vom Gottesmord erwähnt. In den Ausführungen über Israels Auszug aus Ägypten wird dessen Schuld am Tode Jesu zum mythologischen Weltverbrechen erklärt:

„Hört es, alle Geschlechter der Völker, und seht es: Ein nie dagewesener Mord geschah in Jerusalem … der, der das All festgemacht hat, ist am Holz festgenagelt worden! Gott ist getötet, der König Israels ist durch Israels Rechte beseitigt worden!“

Daraus erklärte er das gegenwärtige Leiden der Juden nach ihrer Zerstreuung im römischen Reich.

Ausgaben und Übersetzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Melito Sardianus: Sur la pâque et fragments. Herausgegeben von Othmar Perler, Paris 1966.
  • Melito von Sardes: Vom Passa. Die älteste christliche Osterpredigt. Übersetzt von Josef Blank, Freiburg 1963.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lynn H. Cohick: The peri pascha attributed to Melito of Sardis. Setting, Purpose and Sources. (= Brown Judaic Studies. Band 327). Providence, Atlanta 2000.
  • Harald Buchinger: Melito, „Israel“ und die Bibel beider Testamente. In: R. Roukema (Hrsg.): The Use of "New Testament" Writings in Ancient Christian Anti-Jewish Polemics. (Novum Testamentum et Orbis Antiquus). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016
  • Hansjörg auf der Mauer: Die Osterfeier in der alten Kirche. Aus dem Nachlaß hrsg. von Reinhard Meßner und W. G. Schöpf. LIT, Münster 2003. ISBN 3825860485, S. 59ff.
  • Andrew MacErlean: St. Melito. In: Catholic Encyclopedia, Robert Appleton Company, New York 1913.

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Papyrus Chester Beatty XII, Papyrus Bodmer XIII, Papyrus Oxyrhynchos 6000