Chantal Mouffe
Beiträge
Context XXI, Medienecke

Kritik statt Sektor

April
2000

1. Weil viele von uns mit dem Markt immer schon ihre Probleme hatten und mit dem Staat neuerdings noch größere, möchten sie gerne in einem Zwischenraum ihr Lager aufschlagen. Der soll „Dritter Sektor“ oder auch „Zivilgesellschaft“ heißen und sich als Raum oder Feld irgendwie zwischen den Räumen oder (...)

Context XXI, Heft 3-4/2000

Zivilgesellschaft — Bekenntnis, Blase, Begriff

Juni
2000

Der Begriff Zivilgesellschaft ist bei der (Selbst-)beschreibung der Widerstandsbewegung gegen die blau-schwarze Regierung zum zentralen diskursiven Knotenpunkt geworden. Um ihn organisieren und polarisieren sich die Auseinandersetzungen zum strategischen Selbstverständnis der Opposition mit dem (...)

Grundrisse, Nummer 45

Zwischenruf zum Thema „das Politische“

März
2013

Wir befinden uns manches Mal in Situationen, die einerseits eine Intervention erfordern, zu der uns andererseits aber Zeit und Muse fehlt. Wir, die Redaktion der Zeitschrift „grundrisse“, haben unsere LeserInnen ersucht, uns Beiträge zum Thema „Demokratie“ zu senden. Wie zu erwarten gab es auch (...)

Grundrisse, Nummer 48

Die Ökonomie als „letztes Bollwerk des Essentialismus“?

„Ökonomischer Determination in letzter Instanz“ – ein Schlüssel zum Verständnis des Übergangs von Revolution zu Reformismus im „Post-Marxismus“ von Ernesto Laclau und Chantal Mouffe
Dezember
2013

Seitdem die Gesellschaft auf den Boden der ökonomischen Tatsachen zurückgeholt wurde, ist der kulturalistische Karneval der Differenzen vorbei. Unter dem bunten Überbau der Gesellschaft kommt, in orthodoxer Diktion, ihre eintönige gemeinsame Basis wieder zum Vorschein. Und was um die Verknüpfung (...)

Streifzüge, Heft 64

Sozialkritik als Marktsignal

Juni
2015

Hegemonie beruht auf der Integration von Dissens. Als Herrschaftstyp setzt sie Gramsci folgend die Fähigkeit voraus, im Antagonismus der Klassen eigene Interessen als gesellschaftliche Allgemeininteressen zu definieren und durchzusetzen. Hegemonie meint also die Anziehungskraft einer politischen (...)

Streifzüge, Heft 69
2000 abwärts

Linkspop oder Sozialdemokratie 4.0

April
2017

Natürlich gibt es Leute, die sich aktiv für einen Linkspopulismus einsetzen. Chantal Mouffe oder Pablo Iglesias, Oskar Lafontaine oder Jakob Augstein stehen dafür, den Begriff positiv zu besetzen. Sozialdemokratie 4.0 geht laut Pablo Iglesias Turrión so: „Es besteht kein Zweifel daran, dass (...)

Chantal Mouffe (2013)

Chantal Mouffe (* 17. Juni 1943 in Charleroi) ist eine belgische Politikwissenschaftlerin und Professorin für Politische Theorie an der University of Westminster in London.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mouffe hat an zahlreichen Universitäten in Europa, Nord- und Lateinamerika gelehrt und geforscht. Sie ist Mitglied des Collège international de philosophie in Paris. Derzeit arbeitet sie an einem nicht-rationalistischen Ansatz in der Politischen Theorie und beteiligt sich an Forschungsprojekten über den Aufschwung des Rechtspopulismus in Europa.

Ihr wohl wichtigstes Werk, Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus, veröffentlichte sie 1985 gemeinsam mit ihrem Ehemann Ernesto Laclau (1935–2014).[1] Unter anderem entwickelten die beiden Autoren in diesem Werk die Hegemonietheorie Antonio Gramscis weiter. Die Hegemonie- und Diskurstheorie von Laclau und Mouffe hat sich zu einem zentralen Fluchtpunkt poststrukturalistischer Theoriebildung entwickelt und zahlreiche empirische Arbeiten der Diskursforschung inspiriert und angeleitet. Im Zentrum der Arbeiten von Laclau und Mouffe steht das Interesse, gesellschaftliche Strukturen und Prozesse sowie die damit zusammenhängenden Machtverhältnisse zu hinterfragen und in ihrer Kontingenz offenzulegen, d. h. deutlich zu machen, dass diese immer das Ergebnis politischer Aushandlungsprozesse und damit prinzipiell veränderlich sind.[2]

Der wichtigste Aspekt des Politischen ist für Mouffe der antagonistische Widerspruch, der weder durch Kompromiss aufgelöst noch durch einen Konsens im herrschaftsfreien Diskurs beseitigt werden kann. Politik ist immer durch die Macht eines Kontrahenten über den anderen bestimmt. Der Konflikt zwischen ihnen kann nur durch Institutionen eingehegt werden. Deshalb plädiert Mouffe auch nicht für einen „Exodus aus den Institutionen“, sondern für eine „Auseinandersetzung mit den Institutionen“.[3] In ihrer Vorstellung vom unaufhebbaren Gegensatz politischer Akteure bezieht sich Mouffe explizit auf Carl Schmitt und dessen Unterscheidung von „Freund“ und „Feind“ als zentralem Merkmal des Politischen. Im Gegensatz zu Schmitt argumentiert Mouffe jedoch, dass dieser Gegensatz innerhalb eines demokratisch verfassten Gemeinwesens friedlich ausgetragen werden kann.[4]

Ihrem Denken nach ist Mouffe dem Postmarxismus zuzurechnen. Sie kritisiert die postpolitischen Verhältnisse im heutigen Neoliberalismus und spricht sich für einen neuen Linkspopulismus aus, der die Fragen nach sozialer Gerechtigkeit und Gleichheit wieder mehrheitsfähig machen soll und sich dem Rechtspopulismus entgegenstellt.[5]

Mouffe ist Mitglied im Kuratorium des Instituts Solidarische Moderne.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monographien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • mit Ernesto Laclau: Hegemony and Socialist Strategy: Towards a Radical Democratic Politics. Verso, London 1985, ISBN 978-1-78168-154-1.
    • deutsch: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus. Aus dem Englischen übersetzt und mit einer Einleitung von Michael Hintz und Gerd Vorwallner. Passagen, Wien 1991, ISBN 978-3-85165-749-4.
  • The Democratic Paradox. Verso, London 2000, ISBN 978-1-85984-279-9.
    • deutsch: Das demokratische Paradox. Aus dem Englischen übersetzt und mit einer Einleitung versehen von Oliver Marchart, Turia + Kant, Wien 2008; Nachdruck 2018, ISBN 978-3-85132-913-1.
  • Exodus und Stellungskrieg. Die Zukunft radikaler Politik. Mit einer Einleitung von Oliver Marchart, Turia + Kant, Wien 2005, ISBN 3-85132-422-6.
  • On the Political. Routledge, London 2005, ISBN 978-0-415-30521-1.
    • deutsch: Über das Politische. Wider die kosmopolitische Illusion. Aus dem Englischen übersetzt von Niels Neumeier, Suhrkamp, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-518-12483-3.
  • Agonistics: Thinking The World Politically. Verso, London 2013, ISBN 978-1-781-68103-9.
    • deutsch: Agonistik – Die Welt politisch denken. Aus dem Englischen übersetzt von Richard Barth. Suhrkamp, Berlin 2014, ISBN 978-3-518-12677-6.
  • For a Left Populism. Verso, London/ New York 2018, ISBN 978-1-786-63755-0.
    • deutsch: Für einen linken Populismus. Aus dem Englischen übersetzt von Richard Barth. Suhrkamp, Berlin 2018, ISBN 978-3-518-12729-2.

Herausgeberschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gramsci and Marxist Theory, London: Routledge 1979.
  • Dimensions of Radical Democracy: Pluralism, Citizenship, Community, 1992.
  • Deconstruction and Pragmatism, 1996;
    • deutsch: Dekonstruktion und Pragmatismus. Demokratie, Wahrheit und Vernunft., Wien: Passagen 1999.
  • The Challenge of Carl Schmitt, London: Verso 1999.
  • The Return of the Political, London: Verso 1993.

Aufsätze (ausgewählt)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hegemonie und neue politische Subjekte. Eine neue Konzeption von Demokratie, 1988, in: kultuRRevolution nr. 17/18, 37–41.
  • Deliberative Democracy or Agonistic Pluralism. Wien; Dezember 2000 PDF
  • Hegemony, Radical Democracy, and the Political, hrsg. v. James Martin, 2013.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Aristotelis Agridopoulos: Die Rückkehr des A(nta)gonismus? Mouffes agonistisches Demokratiemodell und die politischen Umbrüche in Griechenland. In: Agridopoulos, A./Papagiannopoulos, I. (Hg.) Griechenland im europäischen Kontext: Krise und Krisendiskurse. Wiesbaden: Springer VS 2016 S. 275–295.
  • Michael Hintz, Gerd Vorwallner: Marxismus als radikaler Relationismus. Anmerkungen zur politischen Philosophie von E. Laclau und Ch. Mouffe, 1988, in: kultuRRevolution nr. 17/18, S. 58–63.
  • Andreas Hetzel (Hrsg.): Radikale Demokratie. Zum Staatsverständnis von Chantal Mouffe und Ernesto Laclau. Baden-Baden 2017, ISBN 978-3-8487-4191-5.
  • Michael Hintz, Gerd Vorwallner: Der Sozialismus wird demokratisch sein oder gar nicht. In: Chantal Mouffe, Ernesto Laclau: Hegemonie und radikale Demokratie. Zur Dekonstruktion des Marxismus („Hegemony and socialist strategy“). Aus dem Engl. übersetzt und herausgegeben von Michael Hintz und Gerd Vorwallner, mit einem Vorwort zur deutschen Ausgabe, 2. Aufl. Passagen-Verlag Wien 2000, ISBN 3-85165-453-6.
  • Oliver Marchart: Der Auszug aus Ägypten. Eine Einleitung, in Chantal Mouffe: Exodus und Stellungskrieg. Die Zukunft radikaler Demokratie, Wien: Turia+Kant 2005, S. 7–23.
  • Oliver Marchart: Politik ohne Fundament. Das Politische, der Staat und die Unmöglichkeit der Gesellschaft bei Ernesto Laclau und Chantal Mouffe, in Michael Hirsch, Rüdiger Voigt (Hg.): Der Staat in der Post-Demokratie. Politik, Recht und Polizei in der neueren französischen Philosophie, Stuttgart: Franz Steiner-Verlag 2009, S. 133–144.
  • Oliver Marchart, Oliver Flügel-Martinsen: Themenschwerpunkt Chantal Mouffe, in: Zeitschrift für Politische Theorie, 5(2), 2014.
  • Rahel Sophia Süß: Kollektive Handlungsfähigkeit. Gramsci – Holzkamp – Laclau/Mouffe. Vorwort von Oliver Marchart. Turia + Kant, Wien 2010, ISBN 978-3-85132-767-0.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Chantal Mouffe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Theoretiker des Populismus: Politikwissenschaftler Ernesto Laclau tot. In: Spiegel Online. 15. April 2014, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  2. Georg Glasze, Annika Mattissek: Die Hegemonie- und Diskurstheorie von Laclau und Mouffe. (pdf, 149 kB) (Nicht mehr online verfügbar.) In: Handbuch Diskurs und Raum Theorien und Methoden für die Humangeographie sowie die sozial- und kulturwissenschaftliche Raumforschung. Archiviert vom Original am 17. Mai 2017; abgerufen am 7. Oktober 2018. i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.geographie.nat.uni-erlangen.de
  3. Jörg Friedrich: Reflexe #5: Es geht um die Macht, nicht darum, recht zu haben. In: Hohe Luft. 20. März 2017, abgerufen am 7. Oktober 2018.
  4. „Konsens ist das Ende der Politik“ Interview mit Chantal Mouffe, Philosophie Magazin, 5/2015
  5. Chantal Mouffe: Für einen linken Populismus. In: Internationale Politik und Gesellschaft – IPG. 30. März 2015, abgerufen am 7. Oktober 2018.