Grundrisse, Nummer 49
März
2014

Mario Tronti und die Entwicklung des italienischen Operaismus

Einleitung

Der offene Widerspruch der operaistischen Tradition […] und der politischen Philosophie der Multitude, die ihr gefolgt ist – der Widerspruch der trotzdem den grundlegenden Marxschen Einsichten treu bleibt – ist die doppelte Bekräftigung, einerseits der integralen Immanenz kapitalistischer Verhältnisse im Sozialen (einer grundlegenden Vergesellschaftung der Produktion) und andererseits der Radikalisierung des Antagonismus von Kapital und Arbeit. Reelle Subsumption manifestiert sich als eine irrationale Befehlsform und kündigt die Möglichkeit einer kommunistischen Aneignung der Produktion an. Heruntergebrochen ist das Problem jenes der Verwirklichung des Kommunismus in der Situation eines fortgeschrittenen, dynamischen Kapitalismus, in dem politische Krisen und [Klassen]antagonismus in keiner Weise notwendig mit Knappheit und Stagnation verbunden sind (veranschaulicht durch die Tatsache, dass das goldene Zeitalter von FIAT in Italien mit gewaltigen Arbeiterkämpfen verbunden war, welche die Fabriken selbst involvierte, während der Konzern in der Zeit relativen sozialen Friedens der 80er und 90er Jahre eher kontinuierlich schwächer wurde und schließlich kollabierte). [1]

Der Operaismus war eine politische Bewegung im Italien der 1960er Jahre. Er entstand in einer Zeit großen wirtschaftlichen Aufschwungs, der Umstrukturierung des Produktionssektors sowie eines Kampfs der Ideologien im Kalten Krieg. Der Operaismus versuchte sich sowohl vom orthodoxen Marxismus – einerseits vom russischen Weg, andererseits vom hegemonialen gramscianischen Zweig, der in Italien dominant war – als auch vom herkömmlichen westlich-kapitalistischen Parlamentarismus abzugrenzen und mit ständigem Rekurs auf das revolutionäre Potential der Arbeiterklasse als einzigem relevanten politischen Akteur eine eigenständige revolutionäre Politik zu entwickeln. Er war gekennzeichnet durch eine grundsätzliche Aversion gegenüber allen möglichen Institutionen wie beispielsweise Gewerkschaften, aber auch der politischen Partei selbst.

Der klassische oder frühe Operaismus unterscheidet sich in einigen wichtigen Punkten von seinem aktuellen Ausläufer, dem Post-Operaismus à la Negri. Die überragende Gallionsfigur dieses klassischen Operaismus war Mario Tronti, der mit seiner sogenannten „kopernikanischen Wende“ (der Umkehrung der Determiniertheit von Arbeiterklasse und Kapitalverhältnis – dazu später mehr) eine ganze Generation italienischer marxistischer Denker beeinflusste und das Denken in Italien noch heute prägt. Dieser Text stellt sich zur Aufgabe, Trontis theoretischen Werdegang nachzuzeichnen. Er konzentriert sich dabei auf die 60er Jahre, lässt aber auch Ausblicke auf die Zeit vor und nach den historischen Ereignissen, die traditionell mit der Ära des Operaismus verknüpft werden, zu. Ziel soll sein, einige Beweggründe dafür offenzulegen, warum Tronti den Weg vom Operaismus zum Post-Operaismus nicht mitgehen konnte; dieser Übergang bleibt mit Antonio Negri verbunden. Dieser Artikel wird sich also überwiegend mit diesen zwei Theoretikern beschäftigen, obwohl damit einige andere Theoretiker, die maßgeblich an der Entwicklung und Weiterführung des operaistischen Denkens beteiligt waren – Raniero Panzieri, Romano Alquati, Massimo Cacciari, Mariarosa Dalla Costa etc. — außen vor bleiben müssen.

Einleitend gehe ich auf die politischen und theoretischen Rahmenbedingungen der 50er Jahre ein, die im revolutionären Klima der 60er Jahre kulminierten. Anschließend stelle ich die historischen Eckdaten der beiden mit der Entwicklung des Operaismus direkt verbundenen Zeitschriften, Quaderni Rossi und Classe Operaia, dar. Im letzten Abschnitt werde ich schließlich erläutern, wie Tronti und Negri von den gleichen operaistischen Prämissen ausgehend dennoch zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen gelangen. Tronti wendet sich nach seinem politischen Experiment wieder der KPI zu und steigt sogar zu einem ihrer führenden Funktionäre auf. Negri wird sich vollkommen von empirischen Grundlagen lösen, obwohl den Operaismus unter Panzieri gerade die Betonung der Empirie ausgezeichnet hatte. Davon wird sich Negri also verabschieden und mit der Multitude eine eher post-strukturalistisch inspirierte Theorie der politischen Subjektivierung ohne Subjekt (i.e. Multitude) ins Leben rufen.

Meine These wird sein, dass beide Wege, die politische Bewegung des Operaismus nach deren Höhepunkt weiterzuführen, sein notwendiges Ende einleiten mussten. Was dem politischen Operaismus also nicht vergönnt war, gelang jedoch dem damit verbundenen theoretischen Impuls, der sich fortentwickeln und in das politische Denken Italiens und vielleicht sogar darüber hinaus einschreiben konnte.

Gramsci und Della Volpe

Karin Priester schreibt in ihrer Arbeit „Studien zur Staatstheorie des italienischen Marxismus: Gramsci und Della Volpe“:

Auf der Suche nach einer Antwort auf die Frage nach dem theoretischen Ausdruck der politischen Identität der kommunistischen Partei Italiens stößt man unweigerlich auf die zunächst alles überragende Integrationsfigur Antonio Gramsci. […] Doch dieses Bild entspricht nicht voll der Realität, denn unterhalb dieses zur weithin sichtbaren Fahne aufgerichteten Phänomens Gramsci vollzog sich nicht erst neuerdings, sondern schon in den fünfziger Jahren ein von Togliatti politisch eingeleiteter und von Della Volpe theoretisch begründeter Überlagerungsprozess, der ‚über Gramsci hinaus‘ zu gehen versprach. Und ‚über Gramsci hinaus‘ hieß gleichzeitig auch: über Lenin und die Denkmodelle der III. Internationale hinaus. [2]

Sie meint, mit Hilfe Della Volpes verließen die Auffassungen der Partei („die Parteilinie”) nach Ende des zweiten Weltkriegs langsam aber sicher den theoretischen Boden Gramscis, ohne jedoch aufzuhören, sich weiterhin auf ihn zu berufen. Da sich Della Volpe stets allzu lautstark und viel zu explizit gegen Gramsci positionierte, wurde ihm in Togliattis Partei trotz der grundlegenden politischen Affinität immer nur eine Randstellung zugestanden. [3]

Della Volpe ging von einer ähnlichen Fragestellung wie Gramsci aus. War Gramscis Reibungsfläche vorwiegend der bürgerlich-idealistische Benedetto Croce gewesen, so übernahm diese Funktion für Della Volpe der Croce-Schüler und spätere faschistische Erziehungsminister Giovanni Gentile. Deren beider (Gramscis und Della Volpes) Aufgabe war zunächst die Behauptung der materialistischen Theorie gegenüber einer hegemonialen idealistischen Weltanschauung mittels einer Neubestimmung des Verhältnisses von Marx zu Hegel. Anders als Althusser, mit dem Della Volpe auch einige Gemeinsamkeiten hatte, hielt Letzterer an der Definition des Marxismus als Humanismus fest, definierte ihn aber als positive Wissenschaft und nicht mehr als Philosophie der Praxis, wie dies Gramscis historistischer Konzeption entsprochen hätte.

Ausgehend von dieser Grundüberzeugung entwickelte Della Volpe einen regelrechten Anti-Hegelianismus. So argumentiert er in seinem Hauptwerk „Critica dei principî logici“ (1942) mit Aristoteles gegen den mystizistischen Idealismus eines Platon, dem auch ein Leibniz und ein Hegel verfallen seien. [4] Mit Aristoteles setzt er sich für eine anti-dialektische Positionierung der Sinneseindrücke als basale Grundstoffe der Wissensobjekte ein, verknüpft durch das logische Prinzip der „Nicht-Widersprüchlickeit“. An die Stelle einer triadischen Dialektik von These-Antithese-Synthese setzt er auf die „tauto-heterologische Identität“ [5] der Vernunft als Einheit der Mannigfaltigkeiten, i.e. die mannigfaltigen diskreten Sinneseindrücke als Basis einer materialistischen Epistemologie. Die Tauto-Heterologie als diadische Dialektik beschreibt die relationale Verknüpfung der einzelnen Sinnesdata durch die Verstandesleistung. Mit Hilfe seines neu gewonnenen Verständnisses sah er in „Critica della filosofia hegeliana del diritto pubblico“ (1950) die Marxsche Methode als im Kern anti-hegelianische, determinierte Abstraktion (astrazione determinata), die sich sowohl von einem formalistischen Deduktivismus als auch von einem naiven Induktivismus abgrenzt. Diese materialistische Logik verläuft in der Abfolge Konkret-Abstrakt-Konkret. Indem die Bewegung von konkreten Phänomenen ausgeht, um über Abstraktion und Hypothesenbildung zu einer erneuten konkreten, praktischen Auseinandersetzung mit den Phänomenen zu gelangen, verankert Marx, so Della Volpe, die Schnittstelle von Theorie und Praxis als das Grundproblem aller Wissenschaft. Della Volpe sah in Marx den Geist Galileis verkörpert, der sich gegen den falschen Apriorismus seiner scholastischen Vorgänger auflehnte, um auf Basis empirischer Grundbausteine eine neue Wissenschaft zu entwickeln.

Charakteristisch für sein theoretisches Projekt des Marxismus als positive Wissenschaft sind seine späteren Forschungsinteressen, u.a. die Entwicklung einer materialistischen Ästhetik und Kritik gegen den bürgerlichen Liberalismus. In Anlehnung an Machiavelli tritt Della Volpe jedoch auch in einen immer legalistischeren Diskurs ein.

„Wenn wir Gramscis politische Strategie summarisch als Kampf um Hegemonie und Kampf um Staat definiert haben, so können wir Della Volpes Position ebenso vorläufig und summarisch als Kampf um das Recht bezeichnen. Die theoretische Begründung der ‚sozialistischen Legalität‘ als Bewahrung (nicht: Aufhebung im hegelschen Sinne) des liberalen Erbes in einer sozialistischen Staatstheorie und der Ausbau von nach-bürgerlichen Rechtspositionen in der Phase des Übergangs zum Sozialismus ist Della Volpes zentrales Thema.“ [6] Della Volpe scheint damit eine Art Rechtsmarxismus (im Gegensatz zu einem eher links orientierten Marxismus der Arbeiterautonomie) theoretisch ermöglicht zu haben, dem sich Tronti in weiterer Folge ab den 1970er Jahren immer stärker annähern wird.

Das Italien der 50er Jahre

Nach dem zweiten Weltkrieg hatte sich die politische Situation für die PCI insoweit geändert, als erstens durch die Neuaufteilung Europas Italien nun direkt an der Grenze zwischen den Systemen lag, zweitens die kommunistische Partei aus dem antifaschistischen Kampf der Kriegs- und unmittelbaren Nachkriegszeit gestärkt hervorgegangen war und die Federführung bei der Neuordnung der italienischen Gesellschaft beanspruchen durfte. An einer Umwälzung Italiens nach russischem Modell hatte Togliatti jedoch kein Interesse, da dies die neugewonnene Machtkonstellation Europas zum Einsturz gebracht und dadurch womöglich erneutes Chaos ausgelöst hätte. Dieser Tendenz wurde weiter bestärkt, als 1956 sowjetische Panzer in Ungarn einfielen, was von der überwältigenden Mehrheit der italienischen Intellektuellen verurteilt wurde.

Erklären wollte man den italienischen Weg des Kommunismus mit Berufung auf Gramscis Historismus, indem man den Hauptwiderspruch in der italienischen Gesellschaft mit der relativen Zurückgebliebenheit eines Großteils des Landes identifizierte. [7] Hauptaugenmerk war damit dem Aufbau der Wirtschaft „im nationalen Interesse“ gewidmet bei gleichzeitiger, selbst zugesprochener „Schonfrist“ gegenüber dem kapitalistischen System. Nachdem jedoch Italien Ende der 50er Jahre ein regelrechtes Wirtschaftswunder zu verzeichnen hatte und scheinbar gegensätzliche Phänomene wie neo-kapitalistische Tertiarisierung der Wirtschaft und Erstarken einer selbstbewussten und kampfbereiten Arbeiterklasse aufeinanderprallten, verlor die traditionelle Parteilinie an Plausibilität. Die Arbeiterschaft zeigte erstmals offen Unzufriedenheit mit der Parteilinie; es kam zu Massenaustritten aus den kommunistischen und sozialistischen Gewerkschaften. In dieser Krise zog das Marxismuskonzept Della Volpes mehr und mehr Aufmerksamkeit auf sich.

„Den Dellavolpianern ging es in kritischer Absetzung gegenüber den marxistischen Historisten um die genaue Bestimmung der theoretischen Methode, mit der nicht die Objektivität des Widerspruchs analysiert, sondern das Bewusstsein über ihn bloßgelegt werden könne.“ [8] Den Dellavolpianern ging es nicht um das Vorantreiben eines angeblich neutralen Fortschritts, sondern um die Diskrepanz zwischen den Grenzen der formalen, bürgerlichen und den realen Bedürfnissen nach einer materiellen, substantiellen Demokratie. Della Volpe wollte den Marxismus dabei ausdrücklich als Methodologie begreifen und nicht, wie Gramsci, Marxismus als dialektische Einheit von Philosophie und Praxis qua Weltanschauung. [9]

„Indem Galvano Della Volpe seine Untersuchungen auf die Besonderheit der Ideologiekritik und der wissenschaftlichen Methodologie bei Marx konzentrierte, hatte er […] mit Nachdruck hingewiesen, dass der Marxismus seinen eigenen theoretischen Status definieren müsse […].“ [10] Somit sprach Della Volpe sich einerseits gegen den von der III. Internationale propagierten Dogmatismus aber andererseits auch gegen den historisierenden Holismus Gramscis aus. Genau diese Neuorientierung zwischen Stalinismus und Gramscianismus hindurch eröffnete einen dritten Weg, dem sich gerade nicht-parlamentarische marxistische Gruppierungen anschlossen. Eine davon war die Gruppe um die Quaderni Rossi.

Quaderni Rossi

So gingen die 50er Jahre mit einem nachkriegszeitlichen, fordistischen Wirtschaftswachstum und der dazugehörigen Umstellung der Klassenzusammensetzung des Proletariats (massenhafte Arbeitsmigration aus dem ärmlichen Süden in den industrialisierten Norden), zwei dadurch ungeheuer angeschwollenen, aber im Kern konservativen Arbeiterparteien (PCI – Kommunisten, PSI – Sozialisten), mit Massenaustritten aus den Gewerkschaften und der Erinnerung an einen niedergeschlagenen Arbeiteraufstand im „sozialistischen” Ungarn 1956 zu Ende. Vor allem die Ereinisse in Ungarn wirkten auf viele Operaisten traumatisch und folgenreich, war doch die Auffassung der Orthodoxie, dass die Planwirtschaft ein Ende des Klassenkampfes bedeute, indem sie technologische Erneuerung befördert und den Konkurrenzdruck und den Druck auf die Löhne entschärfe. Zudem schien diese Auffassung bestätigt durch die aufkeimende Liebe zur Planwirtschaft im Westen, da der Keynesianismus den Liberalismus als kapitalistische Doktrin abgelöst hatte. Die Niederschlagung der spontanen Selbstorganisation sozialistischer Arbeiter in Ungarn durch die russische Führung brachte Zweifel über die bisher verfolgte theoretische Konzeption auf und provozierte eine erneuete Hinwendung zur konkreten Situation der Arbeiter im Arbeitsprozess.

Raniero Panzieri (1921-64) war Herausgeber der PSI-Theoriezeitschrift „Mondo operaio” von ’57-’59 und ging dann nach Turin, wo er anfing, für Einaudi zu arbeiten. Angestoßen von dem Problem der Diskrepanz zwischen Arbeiterinteressen und gewerkschaftlichen politischen Forderungen gelang es ihm neben dem marxistischen Soziologen Romano Alquati in Turin auch noch linke Denker wie Luciano Della Mea in Mailand, Antonio Negri und Massimo Cacciari in Venedig und Mario Tronti in Rom für seine Sache zu gewinnen und die sogenannten Roten Hefte (Quaderni Rossi) ins Leben zu rufen, welche sich hauptsächlich als soziologische Zeitschrift verstanden und ihre Studien direkt am Schauplatz Fabrik durchführten. Ihre sogenannte CONRICERCA bestand aus Befragungen und Beobachtung, beinhaltete aber auch aktive Beteiligung am und Einfühlung in den Arbeitsprozess durch Arbeit in der Fabrik, vorwiegend in den Werken von Fiat und Olivetti. Vor allem das sorgfältig reflektierte Verhältnis von Arbeitern und Intellektuellen als untrennbare Einheit von Praxis und Theorie, welche beide demselben Grundwiderspruch verpflichtet sind, bildete eine neue Komponente in der italienischen Soziologie, die traditionellerweise vorwiegend von Max Weber beeinflusst war, und stützte sich ihrerseits auf die bürgerliche Soziologie der Chicago-Schule einerseits als auch auf die Veröffentlichungen der französischen Zeitschrift „Socialisme ou Barbarie” von Cornelius Castoriadis. Die Zeitschrift wurde als Jahrbuch veröffentlicht und war eine mehrere hundert Seiten starke Zusammenstellung verschiedener langer theoretischer Texte.

Relativ früh kam es jedoch zur Aufspaltung in zwei Lager. Ausgelöst wurde dieser Theoriestreit durch die Ereignisse im Juli 1962 am Piazza Statuto in Turin. Als es im Juni zu Konflikten um die Vertragsverlängerung für große Teile der Fabriksarbeiter gekommen war, wurde für den Zeitraum vom 7. — 9. Juli ein großflächiger Streik ausgerufen. Währenddessen hatte jedoch die betriebsinterne Gewerkschaft der Fiat-Werke mit ihrer Geschäftsführung einen Deal ausgehandelt, sodass durch das Wegbrechen der Fiat-Arbeiter für einen Streikbeschluss plötzlich die Mehrheit fehlte. Dennoch wurde dieser Streik durchgeführt. In seinem Verlauf kam es zu Ausschreitungen, die sich überwiegend gegen die abtrünnige Gewerkschaft UIL (Unione italiana del lavoro) richteten. [11]

Standen die „Quaderni Rossi” zunächst noch geschlossen hinter den Protesten der Arbeiterschaft, so entbrannte kurz darauf ein folgenschwerer Theoriestreit zwischen dem soziologischen („reformistischeren“) und dem politischen („revolutionäreren“) Lager. Hauptstreitpunkt war die genaue politische Ausrichtung der Zeitschrift: Sollte man Kritik an den Gewerkschaften üben, um zu versuchen, die Politik der Gewerkschaften zu verändern, oder sollte es mehr um eine Politik außerhalb und gegen die herkömmlichen Traditionen der Arbeiterbewegung und ihren Organisationsformen gehen? Während Panzieri als Sozialist eher für erstere Option einstand, wandte sich Tronti in Richtung einer direkten Partizipation der Arbeiterschaft am politischen Willensbildungsprozess. Panzieris Forschungsschwerpunkte waren die Nicht-Neutralität des technologischen Fortschritts und die Abkopplung der Politik der Arbeiterbewegung von den planwirtschaftlichen Vorgaben des sowjetischen Realkommunismus. Er konnte sich jedoch nie völlig von seinen syndikalistischen Wurzeln befreien. So mochte er zwar die Ursachen von 1962 verurteilen wie jeder andere auch, doch sollte diese Kritik seiner Meinung nach bloß als konstruktive Kritik an den Gewerkschaften gelesen werden. Die „Quaderni Rossi” werden sich in weiterer Folge negativ gegen die Proteste aussprechen, und die Zeitschrift wird eine Großzahl ihrer Anhänger verlieren. [12]

Unglücklicherweise stirbt Panzieri wenig später im Jahre 1964 an einer Hirnembolie. Die fünfte und letzte Ausgabe der „Quaderni Rossi” wird nach seinem Tod, 1965 veröffentlicht. Tronti schreibt rückblickend: „Panzieris Marx war jener von Luxemburg, nicht der von Lenin. Wie Rosa Luxemburg las er das Kapital und träumte von der Revolution. Anders als Lenin, der das Kapital las, um die Revolution zu organisieren. Er war kein Kommunist und hätte es auch nie sein können. Seine Tradition war die des revolutionären Syndikalismus mit einer Dosis anarchistischen Sozialismus, der auch historisch in der PSI aufzufinden war.“ [13]

Ein Großteil der kommunistischen Theoretiker verließ die „Quaderni Rossi”, um eine neue Arbeiterzeitschrift, genauer gesagt eine Monatszeitung, „Classe Operaia”, mit neuer politischer Ausrichtung zu veröffentlichen. Während der Beginn des Operaismus offiziell mit der Gründung der „Quaderni Rossi” datiert wird, markiert die „Classe Operaia” den eigentlichen Beginn mit der Übernahme der theoretischen Führung durch Tronti und seine epochemachenden „kopernikanische Wende“.

Die Kopernikanische Wende des Operaismus

Riccardo Bellofiore interpretiert Trontis frühes theoretisches Projekt als zweiseitig:

Dies ist mehr oder weniger der Ausgangspunkt Trontis, der mit einigen von Panzieris Punkten bricht und andere weiterentwickelt. Bei Tronti findet man, meiner Ansicht nach, auch zwei Gesichter, und mehr oder weniger finden sich beide auch in den Texten von „Operai e capitale” (nicht „Arbeit und Kapital“, sondern „Arbeiter und Kapital“!). Einerseits ist Tronti sehr klar, und dies ist eine absolute Neuheit, in seiner Definition des Marxismus als zweiseitig: Marxismus als die Wissenschaft vom Kapitals und Marxismus als revolutionäre Theorie. Marxismus als Wissenschaft vom Kapital untersucht die Arbeiter als Arbeitskraft. Die Arbeiter sind in dieser Hinsicht komplett integriert in das Kapitalverhältnis. Diese Seite ist die Seite, von der aus der Marxismus als eine Theorie der ökonomischen Entwicklung gesehen werden kann; diese Seite demonstriert den Blick auf die Arbeitskraft durch die Brille des Kapitals. Die andere Seite, die Seite des Marxismus als revolutionäre Theorie ist die Seite der Arbeiter als Klasse. Die Arbeiter als Arbeiterklasse widersetzen sich der Integration. Diese Seite des Marxismus ist der Marxismus als Theorie der politischen Ablösung des Kapitalismus. Dies ist das Kapitalverhältnis gesehen durch die Brille der Arbeiterklasse. [14]

Aus dieser „zwei Brillen”-Metapher zieht Tronti die nötigen Schlüsse, um eine theoretische und – wie er meint – „kopernikanische“ Wende einzuleiten, die prägend blieb für alle späteren Strömungen des Operaismus. Es gelingt ihm, die beiden Stränge (Wissenschaft/revolutionäre Theorie) zu vereinen in der Bestimmung, dass die Klasse des Proletariats nicht erst durch das Kapitalverhältnis geschaffen werde, sondern dass die Arbeiterklasse dem Kapitalverhältnis notwendig immer schon vorausgesetzt sei. Anders als die orthodoxe ökonomistische Lesart des Kapitals, nach der die Arbeiterklasse immer nur einen reinen Abwehrkampf gegen die der Logik des Kapitals gemäße Entwicklung auszufechten habe, geht der Operaismus von der Determiniertheit der kapitalistischen Entwicklung durch soziale, kulturelle und politische Vorgaben der Arbeiterschaft aus. Behauptet wird also glatt das Gegenteil der traditionell-orthodoxen Position, die kapitalistische Entwicklung sei bloß als Abwehrreaktion gegenüber dem revolutionären Befreiungskampf der Arbeiter zu begreifen.

Das Kapitalverhältnis während des Produktionsprozesses kommt nur heraus, weil es an sich im Zirkulationsakt existiert, in den unterschiednen ökonomischen Grundbedingungen, worin Käufer und Verkäufer sich gegenübertreten, in ihrem Klassenverhältnis. Es ist nicht das Geld, mit dessen Natur das Verhältnis gegeben ist; es ist vielmehr das Dasein dieses Verhältnisses, das eine bloße Geldfunktion in eine Kapitalfunktion verwandeln kann. [zit.: Kapital II, MEW 24, S. 37] Für Marx also besteht darin kein Zweifel, dass das Klassenverhältnis an sich schon im Zirkulationsakt existiert. Und gerade dies ist es, was während des Produktionsprozesses das Kapitalverhältnis enthüllt und ans Licht bringt. Das Klassenverhältnis geht also dem Kapitalverhältnis voraus, verursacht es und produziert es. Mehr noch: gerade die Existenz des Klassenverhältnisses ermöglicht erst die Verwandlung des Geldes in Kapital.

Dies ist ein Punkt von erheblicher Bedeutung. Denn im allgemeinen wird behauptet, Marx habe genau das Gegenteil gesagt, und es ist gängiger „marxistischer“ Brauch, auch das Gegenteil zu sagen: dass nämlich allein aus dem kapitalistischen Produktionsverhältnis der Gegensatz, der Antagonismus der Klassen herauskommt, der dann nur ein Antagonismus neuen Typs ist im Vergleich zu dem alten, der immer existiert hat, seitdem die menschliche Gesellschaft keine primitive Gemeinschaft mehr ist; und dass es deshalb das Kapital ist, das die Klassen hervorbringt, oder besser, das die alten Klassen in neue, gleichwohl immer gleiche gegensätzliche Gruppen verwandelt. [15]

Die Fabrik wird somit im fordistischen Italien der 60er Jahre zum direkten Nexus des Umsturzes der kapitalistischen Verhältnisse, weil sich in ihr das Kapitalverhältnis stets neu reproduzieren muss. Und genau wie sich die technologische Entwicklung von der Fabrik auf die Gesellschaft überträgt, so breitet sich der gesamte Klassenkampf auf diesem Weg aus. Die Gesellschaft ist somit direkt in der Fabrik verankert und erfährt über diese all ihr revolutionäres Potential. Der Klassenkampf ist direkt in das Kapitalverhältnis eingeschrieben, das revolutionäre Subjekt ist der Massenarbeiter in der Fabrik.

Diese Einsicht geht direkt in die politische Ausrichtung der Classe Operaia ein.

Das Primat der Politik war von Anfang präsent in Classe Operaia, veröffentlicht seit 1963 als ’die politische Zeitung der Arbeiter im Kampfe“. Der Slogan meines Leitartikels „Lenin in England“, in der ersten Ausgabe – „zuerst die Arbeiter, dann das Kapital“; das meint: es sind die Arbeiterkämpfe, die den Kurs der kapitalistischen Entwicklung bestimmen – das war Politik: Wille, Entscheidung, Organisation, Konflikt. Die Bewegung weg von der Analyse der Umstände der Arbeiter, wie es Quaderni Rossi weiterführte, hin zur Intervention in die Forderungen der Klasseninteressen der Arbeiter – das war es, was den Sprung von der Zeitschrift zur Zeitung bewirkte. [16]

Die Arbeitskraft geht nicht mehr in der ökonomischen Akkumulation der Wertschöpfung auf, sondern generiert eine Akkumulation der politischen Forderungen. Politik bedeutet Interventionismus. Der Antagonismus wird vom Produktionsprozess analytisch getrennt und verdient nun alleiniges Augenmerk bei der Analyse des revolutionären Kampfes. Es kommt zu einer direkten Verknüpfung von Theorie und Praxis, klassische marxistische Kapitalanalyse mischt sich mit Tipps zur direkten und indirekten Sabotage des Produktionsprozesses. Die Agenda verändert sich von den Forderungen nach höheren Löhnen zu einer Infragestellung der Arbeit als Ganzes und als Teil der ökonomischen Entwicklung. Tronti steigt zu einer führenden theoretischen Figur in Italien auf. Negri wird später Tronti neben Gramsci und Luisa Muraro zu einen der drei bedeutendsten Denker Italiens im 20. Jahrhundert küren. [17]

Es war eine Strategie, die nicht zum Erfolg führte. In dezidiert leninistischer Manier sah sich die Zeitschrift als Transmissionsriemen zwischen revolutionärem Arbeiter und politischer Führung. Doch dieser Dialog konnte nie hergestellt werden. „Nicht abonnieren!“, hieß es auf der letzten Ausgabe 1967: „wir gehen jetzt.“ Die Entscheidung, sich von dem Projekt zu verabschieden, wurde aus der Angst geboren, man würde zu einem bloßen Splittergruppenphänomen heruntergespielt, „mit all den üblichen Deformierungen: Minoritarismus, Selbstreferentialität, Hierarchisierung, Entkoppelung, gemäß der zwei Seiten des bürgerlichen Staates“, [18] i.e. Staatsapparat und bürgerliche Gesellschaft. Die Zeitschrift sah ihre Energie erschöpft. Sie konnte niemals über eine kleine bescheidene Leserschaft hinaus an Einfluss gewinnen. Die Arbeiterkämpfe der 60er Jahre sollten sich überwiegend gegen die Parteilinie der PCI richten. Die revolutionäre Frischluft von 1968 wurde überwiegend von Studenten in das Land hineingetragen.

Tronti negiert die Kontinuität zwischen dem politischen Operaismus der 60er Jahre und den vermeintlich anti-politischen sozialen Kämpfen der nach-68er-Ära. Er sieht in der Bewegung von 68 eher eine Umstrukturierung der bürgerlichen Führungselite als eine wahre Revolutionsbewegung von unten. Und zu allem Überfluss schien auch die kommunistische Partei von dieser Umstrukturierung nicht verschont zu bleiben: „Konträr zur allgemeinen Annahme, war die ‚Partei der Arbeiterklasse‘ eher dazu geneigt, auf die 68er der Studenten zu hören, als auf die 69er der italienischen Arbeiter. (Hier zeigt sich ebenfalls der Beweis ex post facto: In den Jahren die folgten, wurde die Parteiführung bei Weitem mehr durch die Reihen der Studenten erneuert als durch die der Arbeiter)“ [19]

Die Geschichte nach 68 ist mehr eine Geschichte der Kämpfe der Minderheiten und der neuen sozialen Bewegungen, der Kämpfe um Anerkennung innerhalb des Systems, als eine wirkliche Kampfansage gegen das System. Somit markiert für Tronti das Jahr ’68 das Ende des Operaismus. Das Projekt der Classe Operaia wird Tronti später als gescheitert einstufen, und die Erfahrung dieses Scheiterns wird zu einer Neubewertung der Kategorie des Politischen führen.

Autonomie des Politischen

Trontis Bestimmung der Proletarisierung, als ursprünglich vor der Entstehung des Kapitalverhältnisses bedeutet zugleich eine folgenschwere Repositionierung der Ökonomie hinter die Politik. Dieser folgt zunächst auch Negri, der jedoch mit seiner Bestimmung des gesellschaftlichen Arbeiters allgemein alle soziale Praxis in den Rang des Politischen emporhebt. Für Tronti sind es allerdings zuerst die rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen, die das entsprechende Biotop für die Proletarisierung der Bevölkerung geschaffen haben noch bevor die ökonomischen Grundlagen geschaffen waren. Für Tronti verläuft der Übergang von den Klassenkämpfen hin zur Reaktion des Kapitals und der entsprechenden technologischen Entwicklung anders als für Negri nicht automatisch. Die autonome Sphäre des Politischen schiebt sich als Mediator dazwischen, die politische Taktik und Parteienpolitik gewinnen für ihn wieder an Bedeutung. Hatte Tronti sich in der Zeit der Classe Operaia (seit den Ereignissen 1962) von der PCI distanziert, so war es für ihn die bürgerliche Revolution 1968, die überwiegend von Studenten getragen wurde, welche dem für ihn interessanteren heißen Herbst 1969 (überwiegend von Arbeiterkämpfen dominiert) den Wind aus den Segeln nahm, das entscheidende Ereignis, um die Prioritäten für die politische Praxis neu zu bewerten. „Politik hat ihre eigene Autonomie, sogar unabhängig vom kulturellen Rahmen, der sie stützt und sogar legitimiert. Wir lassen uns selbst überwältigen vom faszinierenden Genuss alternativen Denkens. Aber der beharrliche Zweifel bleibt, dass der andere Pfad eher der richtige gewesen wäre: etwas weniger sagen und ein bisschen mehr tun. Die theoretische Entdeckung der ‚Autonomie des Politischen‘ fand in der praktischen Erfahrung des Operaismus statt; es war lediglich seine historisch-konzeptuelle Entwicklung, die später kam – und mit ihr die Erkenntnis, die Synthesis von ‚inside and against‘ (darin und dagegen) verfehlt zu haben.“ [20]

Die Autoritäten zu hinterfragen und zu demontieren, bedeutete noch nicht die Befreiung der menschlichen Spontaneität und Vielfalt. Vielmehr folgte eine noch rigorosere Befreiung der „animalischen Triebe“ (Tronti) des Kapitalismus, die zuvor noch vom Parteiensystem als Mediator im Zaum gehalten werden konnten und sich nun im freien Fluss befanden. ‚„Arbeiterkämpfe bestimmen den Weg der kapitalistischen Entwicklung, aber die Entwicklung wird diese Kämpfe für ihre eigenen Zwecke nutzen, falls kein organisierter revolutionärer Prozess ermöglicht wird, fähig das Kräftegleichgewicht zu verändern. Es ist leicht, dies zu erkennen im Falle sozialer Kämpfe, in denen der komplette Apparat der Domination sich neu positioniert, sich reformiert, sich demokratisiert und sich neu stabilisiert.“‘ [21]

Die Arbeiterkämpfe übersetzten sich für ihn nicht mehr direkt in politische Macht. Trontis politisches Projekt der 70er Jahre war, die Politik von einem unterschwelligen Ökonomismus zu befreien. Es wäre ein Gewinn für das Kapital, ließe sich der Klassenantagonismus rein im Produktionsprozess einschließen: Dies hieße die Klassenkämpfe nach der Eigenlogik des Kapitals zu führen und würde notwendig zur Niederlage im ständig sich wiederholenden Abwehrkampf des orthodoxen Marxismus führen. Aufgabe des Politischen sei es gerade, den im Produktionsprozess auftretenden Klassenantagonismus durch seine vermittelnde Funktion in die Gesellschaft hineinzuholen, um ihn dort auszutragen.

War also für den klassischen Operaismus die Fabrik der privilegierte Ort der Austragung der gesellschaftlichen Kämpfe, so leitet die Zeit nach ’68 auch theoretisch das Ende des politischen Subjekts des Massenarbeiters ein. Tronti kehrt zu seinen leninistischen Wurzeln zurück und wechselt nunmehr endgültig von der Erforschung des Fabriksarbeiters hin zum politischen Realismus mit der Oktoberrevolution als unhintergehbarem Vorbild für politischen Erfolg. Das Kriterium des Politischen ist für ihn in Anlehnung an Carl Schmitt die eindimensionale Freund-Feind-Gegenüberstellung. Tronti kümmert sich nicht mehr um eine Neubestimmung der Kategorie des Subjekts, nachdem das revolutionäre Subjekt des Massenarbeiters die Hoffnungen nicht erfüllen konnte, sondern ihn interessiert viel mehr eine Neubestimmung des Austragungsortes des Konflikts. Trontis neu eingeschlagene Richtung wird als Rechts-Operaismus (operaismo di destra) rezipiert. Erst von diesem Punkt aus schlägt Negri einen anderen Weg ein: mit seiner Kategorie der gesellschaftlichen ArbeiterIn versucht er eine Neubestimmung des revolutionären Subjekts, die ebenfalls auf eine Neubestimmung des Verhältnisses von Politik und Ökonomie verweist.

Links-Operaismus und Arbeiterautonomie

In Weiterführung des operaistischen Diktums, im Versuch also die Arbeitskraft als dem Kapital vorrangig zu bestimmen, hypostasiert Negri die menschliche Produktivität in eine unabhängige ontologische Sphäre der Wertschöpfung, intrinsisch produktiv noch bevor es in das Kapitalverhältnis hineingezwängt wird. [22] Negris theoretischer Schritt in Reaktion auf die Krise des revolutionären Subjekts ist die Subjektivierung des Kapitalverhältnisses selbst. Während die menschliche Produktivkraft alles ist, wird das Kapital in seinem Kampf gegen die Abhängigkeit von menschlicher Arbeitskraft sukzessive ausgehöhlt, zu einem leeren Kommando degradiert. Kommunismus wird so für Negri von einer nach-kapitalistischen Gesellschaftsform zu einer konstitutiven Praxis im Hier und Jetzt, eine Praxis, die sich immer schon der reellen Subsumption durch die kapitalistische Wertschöpfung widersetzt. Die Errungenschaften für die Arbeiter in den 60er Jahren hätten gezeigt, dass Lohnerhöhungen sich ohne direkten Bezug auf die Kapitalakkumulation erzwingen ließen, ein Phänomen, welches Negri das Ende des Marxschen Wertgesetzes postulieren ließ. Die Autonomie der Arbeiterklasse wird direkt als Bedingung der Kapitalakkumulation ausgewiesen. Negri und seine Gruppe Potere Operaio werden sich in weiterer Folge forciert politischen Kämpfen um Lohnerhöhungen zuwenden, da sie diese als Hauptangriffspunkt auf das aus ihrer Sicht stets krisenhafte Kapitalverhältnis sehen.

Genau in diesem Nexus bildet sich der Keim für die autonomia organizzata der 70er Jahre. „Die Praxis der Massenillegalität (unilaterale Schuldenschnitte, Häuserbesetzungen, usw.), Sabotage und gewalttätige Behauptung der materiellen Realität der Unabhängigkeit der Arbeiter, all das charakterisierte die Autonomie-Bewegung in den 70er Jahren und wurde als Versuch verstanden, den strukturellen Antagonismus und seine Tendenz zu immer größerer Willkür der Befehlsmacht zu vergrößern.“ [23] Autonomie wurde als geeignetes Mittel interpretiert, den kapitalistischen Staat zu destabilisieren und sein Einflussgebiet einzudämmen. Was Negri jedoch als positiv erachten wird – deren Spontaneität – ist für Tronti genau der Nachteil dieser Bewegungen. „Die Radikalisierung des Diskurses um die Autonomie des Politischen der frühen 70er wurde verursacht durch den Misserfolg der politischen Aufstände – von den Arbeiterkämpfen bis zu den Jugendrevolten –, die die 60er Jahre auszeichneten. Was fehlte war die bestimmte Intervention einer organisierten Kraft, welche allein aus der existierenden Arbeiterbewegung hätte kommen können, d.h. von den Kommunisten.“ [24] So sieht Tronti den Heißen Herbst (autunno caldo) als genau durch seine Spontaneität limitiert, er blieb so in einer Logik der Erneuerung ohne Revolution stecken.

Während sich die Gruppen um Quaderni Rossi und Classe Operaia noch als kritische Stimmen innerhalb der Arbeiterbewegung verstanden hatten, kreisten spätere Projekte nur mehr um das Thema Selbstorganisation. Die innere Geschlossenheit der Arbeiterklasse wurde niemals hinterfragt: sie ist durch ihre intrinsische Fähigkeit Wert zu schöpfen verbunden. So ließ sich für Negri jedoch in weiterer Folge die Aushöhlung der Kategorie des Fabriksarbeiters nur mehr als reaktionäre Umstellung des Produktionsprozesses lesen, nicht aber als progressive Auflösungsbewegung der Arbeiterklasse selbst. “Potere Operaio zwang den Heißen Herbst und die etwaigen Reaktionen darauf in die konzeptuelle Zwangsjacke eines hauptsächlich auf Lohnfragen basierenden Konfliktes, unfähig zu erkennen, dass die Kämpfe von ’68-69 die Arbeitserträge direkt negativ beeinflussten. Diese waren jedoch seit den ’Restrukturations-Programmen ohne Investitionen’ Mitte der 60er Jahre sehr angeschlagen. Somit überrascht es nicht, dass ein paar Jahre später Potere Operaio die zersetzende Kraft gegen die Arbeit, mit der das Kapital auf den Klassenkampf in der Produktionssphäre antwortete, nicht erkennen konnte.” [25]

Der Übergang vom Massenarbeiter zum gesellschaftlichen Arbeiter vollzieht sich durch die Umstrukturierung des Produktionssektors und den massenhaften Ausbau des terziären Sektors. [26] Dieser vollzieht sich laut Negri in direkter Reaktion auf die Abkehr von der herkömmlich „produktiven“ Arbeit. Der operai sociale stellt jedoch insofern einen radikalen Bruch dar, als er zum ersten Mal nicht mehr nur auf einen kleinen wirtschaftlichen Sektor, wie vormals noch der Fabriksarbeiter oder der Facharbeiter vor ihm, beschränkt blieb, sondern in alle Fugen der Gesellschaft eindrang. Über diesen theoretischen Schachzug konnten auch die gerade auftretende feministische Bewegung, sowie Studenten und Arbeitslose angesprochen werden.

Durch die These vom Ende des Wertgesetzes kann Negri die produktive Tätigkeit von der kapitalistischen Abschöpfung des Mehrwerts trennen. Es sollte sich jedoch zeigen, dass sich die Erhaltung einer homogenen Kategorie des Proletariats nur noch unter Aufgabe einer definitiven Bestimmung dieser Kategorie erreichen ließ, wodurch bei Negri Proletariat ein ewig schwammiger Begriff bleibt. Negris Konzept des gesellschaftlichen Arbeiters wird später den Post-Operaismus einläuten, die Arbeiterklasse wird der Multitude weichen und die produktive Arbeit durch die sogenannte „immaterielle Arbeit“ oder affektive Arbeit ersetzt bzw. mit ihr identifiziert werden.

In These 1 seiner Zusammenfassung über die Grammatik der Multitude schreibt Paolo Virno, dass die Multitude sich innerhalb der Phase des Postfordismus herausgebildet hat und direkt mit ihr verbunden ist. Er beschreibt diese Entwicklung jedoch vorwiegend anhand der Geschichte Italiens: „Der Postfordismus (und mit ihm die Multitude) ist in Italien mit den sozialen Kämpfen, die man üblicherweise als die ‚Bewegung von 1977‘ bezeichnet, auf den Plan getreten. […] Jede drastische Wandlung in der Arbeitsorganisation ruft unweigerlich die Unruhen der ‚ursprünglichen Akkumulation‘ in Erinnerung, da sie ein Verhältnis von Dingen (neue Technologien, geänderte Allokation der Investitionen usw.) in ein völlig neues gesellschaftliches Verhältnis verwandeln muss. […] Die Großtat des italienischen Kapitalismus besteht nun darin, dass er genau die Verhaltensweisen, die sich zunächst in die Gewänder des radikalen Protests gehüllt hatten, in eine produktive Ressource verwandelt hat, die Umwandlungen der kollektiven Handlungen der 77er-Bewegung – Auszug aus der Fabrik, Desinteresse an der fixen Anstellung, Vertrautheit mit kommunikativen Wissensformen und Netzen – in ein innovatives Bild der Berufswelt […]. Recht besehen nahm die 77er-Bewegung einige charakteristische Züge der postfordistischen Multitude vorweg. Mag sein, dass ihre Virtuosität sich noch schwach ausgebildet und roh darstellte, nichtsdestotrotz war sie alles andere als unterwürfig.“ [27]

Der Postoperaismus signalisiert somit die endgültige Niederlage einer langen fordistischen Geschichte der Arbeiterkämpfe. Die Multitude wird in die Zeit des neoliberalistischen Aufschwungs – des Reaganismus/Thatcherismus – hineingeboren. Was in neoliberaler Eigenlogik sich in den 80er und 90er Jahren durchzieht, lässt sich dabei für das Lager postmoderner Theoriebildung beinahe noch als Sieg gegen das Kapital auslegen. Durch die völlige Auflösung eines sichtbaren, monolithischen Blocks der Arbeiterklasse wird das Proletariat gleichzeitig unangreifbarer und erhält dadurch seine Macht, das Kapitalverhältnis von innen aufzulösen. Die Tradition des Operaismus kann sich somit nur mehr durch völlige Preisgabe einer positiven Definition des Proletariats erhalten. Die Multitude wird völlig amorphisiert und entbehrt jeglichen Bewusstseins ihrer selbst (zumindest noch, denn diese würde ja bereits die Transformation zur kommunistischen Gesellschaft einläuten), besitzt jedoch alle revolutionäre Macht, da sich das Kapitalverhältnis sowieso nur mehr als leeres Kommando über die Produktionsverhältnisse legt.

Fazit

Es erscheint tragisch, dass Tronti von seiner größten theoretischen Errungenschaft (der Priorität der Proletarisierung vor der Vergesellschaftung des Kapitals und der damit einhergehenden Priorität der Politik vor der Ökonomie) nicht mehr abzuweichen imstande war und dabei in eine Sackgasse geriet. Er postuliert die Autonomie des Politischen in der Zeit der Ölkrisen, der Stagflations-Krise des Keynesianismus und der Aufkündigung des Bretton-Woods-Systems, eines US-Umschwungs von einer Überschuss- zu einer Defizitökonomie etc. Eine Zeit also, in der der Wandel der Gesellschaft stärker denn je von der kapitalistischen Eigenlogik (bzw. vom finanzkapitalistischen Kalkül) bestimmt zu sein schien.

Der Operaismus wurde nach kurzer „Schonfrist“ in den 60er Jahren von der Expansionsbewegung des Kapitals wieder eingeholt. Die Operaisten verpassen die Zeichen der Zeit und versuchen, den globalen Wandel zunächst auf nationaler Ebene zu theoretisieren. Ein Fokus der sich bereits methodologisch (mit Schwerpunkt auf die stark lokalisierten Fabriksarbeiter des italienischen Nordens) festschreibt, und der den Operaismus als Theoriegebäude nur allzu rigide werden lässt und eine theoretische Weiterentwicklung kaum ermöglicht. Tronti spricht von der Einverleibung der Arbeit durch das Kapital, und nur durch diese Einverleibung wird es der Arbeiterklasse möglich sich als Gegenmacht zur Klasse der Kapitalisten zu formieren. [28] Die Grundthese des gesamten Operaismus gerinnt also zu einer nur relativen Trennung von Politik und Ökonomie. Der Ökonomie nach ist der Arbeiter ein Teil des Systems und ökonomisch gesehen gibt es keine Gegenposition: Das Kapital ist eine gesellschaftliche Totalität von der aus selbst noch der Feudalismus retroaktiv neuen Sinn erhält. Nur vom Standpunkt des Politischen aus lässt sich die Situation neu lesen. Die lebendige Arbeit lässt sich niemals vollständig in das ökonomische System integrieren, die grundsätzliche Kluft des Klassenkampfes bleibt erhalten.

Somit bleibt die relative Trennung von Politik und Ökonomie eine Grundthese des Operaismus, eine Grundthese, die zwar auch Negri übernimmt, deren Konsequenzen er jedoch am liebsten ignorieren würde. Tatsächlich schlägt Negris aktuelles Unterfangen mit dem bei ihm üblichen Triumphalismus genau in diese Kerbe. Für ihn existiert der Kommunismus bereits, da sich durch den sozialen Arbeiter die kapitalistische Produktionslogik aus dem direkten Produktionsverhältnis verabschiedet habe und sich das Empire nur mehr wie eine Hülle über die eigentliche Produktivität des „Kognitariats“ legt. Seine post-operaistische Wende scheint damit seltsamerweise gerade in der Aufgabe der These zu bestehen, dass die Arbeiter selbst ihr Schicksal in die Hand nähmen. Tatsächlich nämlich hat sich dieser heraufbeschworene Kommunismus der Produktionsverhältnisse der eigenlogischen Sackgasse des fordistischen Akkumulationsmodells zu verdanken, die in einem kontinuierlichen Fall der Profitrate bis in die 80er Jahre bestand und zu maßgeblichen Umstrukturierungen führen musste, eine Tatsache, die Negri nicht einmal als negativ begreifen kann, da für ihn mit jeder Expansionsbewegung des Kapitals nur dessen brüchige Fassade des nackten Befehls mehr und mehr verfällt.

Für Negris Deleuzianismus entbehrt der Klassenkampf jeglicher dialektischer Entfaltung. Negris politische Ontologie wirkt allzu sehr nach einem eindimensionalen Reiz-Reaktions-Modell konstruiert, in dem sich die neuen historischen Subjekte erst im Widerstand in bestehenden Konflikten formieren und daher auf eine ewige Kette von Reaktionen zurückgestuft werden, ohne ihnen die Fähigkeit zur Bildung neuer und unabhängiger Organisationsformen zuzugestehen. Diese ist ja auch nicht nötig, insofern der Kommunismus latent immer schon präsent war und damit enthistorisiert wird. Genau wie die ahistorische Organisationsform der Multitude, die auch nur deshalb heute sichtbarer ist, als noch vor 500 Jahren, weil sich erst jetzt die Produktionsverhältnisse vom maroden Gerüst des politischen Zwangsapparates so weit befreien konnten, dass sie nun erstmals unverfälscht hervortreten. Trotz Erhaltung der operaistischen Grundthese, wird deren Inhalt damit vollkommen entleert, da der Arbeiterschaft lediglich der reaktionäre Gegenpart übrig bleibt, nämlich die Sphäre der eigenen produktiven Arbeit vor dem Zugriff der kapitalistischen Verwertungslogik zu immunisieren (vgl. Virno, „Exodus“).

Operaismus bleibt damit eine Strömung mit sehr kurzer Lebensdauer. Sie war direkt auf das fordistische Modell des Fabriksarbeiters zugeschnitten und hat den geschichtlichen Wandel nicht (oder bis zur Unkenntlichkeit verstümmelt) überlebt. Insofern wirkt Trontis Weg sogar noch konsequenter: Er hat die historische Bedingheit des Operaismus erkannt und nach dem gescheiterten politischen Projekt eben einen anderen Weg eingeschlagen. Sein Weg führte ihn zurück in die PCI, doch auch dort erwarteten ihn nur Enttäuschungen, da sich das „window of opportunity“ für einen radikalen gesellschaftlichen Wandel spätestens nach 1977 wieder geschlossen zu haben schien. In jüngeren Texten begründet für ihn das Postulat von der Autonomie des Politischen nunmehr sogar eine völlige Absage an den demokratischen Staates als Ganzes, er polemisiert gegen das vorherrschende Demokratie-Verständnis, ohne jedoch greifbare Alternativen anzuführen. [29]

Die kurze Geschichte des Operaismus ist so zweifellos auch eine Geschichte des Scheiterns. Ungeachtet des Scheiterns der realen politischen Bewegung des Operaismus hat sich jedoch das theoretische Gedankengut weit in die italienische Kultur hinein verbreitet. existiert Diese Generation Intellektueller, von Tronti über Negri zu Cacciari, Bologna, Muraro etc. ist immer noch aktiv und bestimmt nach wie vor das intellektuelle Leben Italiens. Spannend bleibt, ob das operaistische Denken an die nachfolgenden Generationen weitergereicht und damit auch weiterentwickelt werden kann, denn nur wer es schafft, die „Trontianische“ Wende noch einmal neu und abseits der aktuellen Stränge zu denken, schafft es vielleicht, sie auch für heutige Krisen zu reaktualisieren.

[1Alberto Toscano, Chronicles of Insurrection: Tronti, Negri and the Subject of Antagonism. In: Cosmos and History: The Journal of Natural and Social Philosophy (vol. 5/1: 2009) 77f. Übersetzt durch den Autor; orig.: „The open paradox of the workerist ‘tradition’ (to adopt a term whose intensely problematic character has been highlighted by Sergio Bologna) and of the political philosophy of the multitudes that has followed in its wake—which is of course a paradox faithful to some of the key insights of Marx—is precisely the twin affirmation of an integral immanence of capitalist relations to the social (of a thoroughgoing socialization of production) and of the radicalization of the antagonism between capital and labour. Subsumption, precisely to the extent that it is real, manifests itself as an irrational form of command and heralds the possibility of a communist appropriation of production. In a nutshell, the problem is that of the realization ofcommunism in a situation of advanced and dynamic capitalism, in which political crisis and antagonism are by no means necessarily accompanied by scarcity or stagnation (as witnessed by the fact that the golden age of FIAT in Italy was concurrent with fierce struggles that invested the factories themselves, whilst the relative social peace of the 80s and 90s saw its progressive enfeeblement and eventual collapse).“

[2Karin Priester, Studien zur Staatstheorie des italienischen Marxismus: Gramsci und Della Volpe (Frankfurt/New York 1981) 9f.

[3Vgl. ebd.

[5Vgl. Priester, 146.

[6Priester, Gramsci und Della Volpe, 12f.

[7Vgl. ebd., 132.

[8Ebd., 133.

[9Vgl. Mariachiara Fugazza, Dellavolpismo e nuova sinistra. Sul rapporto tra i „Quaderni Rossi“ e il marxismo teorico (Aut-Aut 1975/3) 128.

[10Giuseppe Vacca, Introduzzione. In: Giuseppe Vacca (Hg.) Politica e teoria nel marxismo italiano 1959-1969 (Bari 1972) 27.

[12Dario Lanzardo, La rivolta di Piazza Statuto. Torino, Luglio 1962 (Feltrinelli, Mailand 1979) 5.

[13Mario Tronti, Our Operaism. In: New Left Review (73: 2006) 123. Übersetzt durch den Autor; orig.:„Panzieri’s Marx was that of Luxemburg, not Lenin. Like Rosa, he read Capital and imagined the revolution. Unlike Lenin, who read Capital in order to organize the revolution. He was not, and could never have been, a Communist. His tradition was that of revolutionary syndicalism, with a dose of the anarchic socialism that the old PSI historically bore within itself.“

[14Riccardo Bellafiore, Between Panzieri and Negri: Mario Tronti and the Workerism of the 1960s and 1970s. (Response to Mario Tronti at the 2006 Conference on Historical Materialism in London): https://www.facebook.com/notes/economisti-di-classe-riccardo-bellofiore-giovanna-vertova/between-panzieri-and-negri-mario-tronti-and-the-workerism-of-the-1960s-and-1970s/120242154719421 (27.12.2013). Übersetzt durch den Autor; orig.: „„This is more or less the starting point of Tronti that breaks with some points in Panzieri and develops others. In Tronti too there are, in my view, two faces and more or less both are embodied in the writings included in Operai e capitale (not “Labour and Capital”, but Workers and Capital). In the first face, Tronti is very clear and this is an absolute novelty, on distinguishing in Marxism two sides: Marxism as the science of capital and Marxism as revolutionary theory. Marxism as the science of capital looks at workers as labour power. Workers as labour power in this view are completely integrated within capital. This side is the side from which Marxism can be seen as a theory of economic development; this side is the side in which labour power is seen through the capital’s spectacles. The other side, the side of Marxism as a revolutionary theory, is the side that looks at workers as working class. Workers as working class refuse politically to be integrated. This side of Marxism is Marxism as the theory of the political dissolution of capitalism. It is capital seen through the working class’s spectacles.“

[15Mario Tronti, Arbeiter und Kapital (Neue Kritik, Frankfurt 1974) 103f.

[16Tronti, Our Operaismo, 124f. Übersetzt durch den Autor; orig.: „The primacy of politics was present from the start in Classe operaia, launched in 1963 as ‘the political newspaper of the workers in struggle’. The slogan of my editorial, ‘Lenin in England’, in the first issue—‘first the workers, then capital’; that is, it is workers’ struggles that drive the course of capitalist development—that was politics: will, decision, organization, conflict. The movement from analysing workers’ conditions, as Quaderni rossi continued to do, to intervening in the claims they advanced for their class interests, was what gave the leap from the journal to the newspaper its meaning.“

[17Vgl. Antonio Negri, The Italian Difference. In: Cosmos and History: The Journal of Natural and Social Philosophy (vol. 5/1: 2009) 11.

[18Tronti, Our Operaismo, 135. Übersetzt durch den Autor; orig.: „with all the usual deformations: minoritarianism, self-referentiality, hierarchization, ’dual layers’, unconcciously imitating the practices of the ’dual state’“

[19Tronti, Our Operaismo, 129. Übersetzt durch den Autor; orig.: „Contrary to what is commonly supposed, the ‘party of the working class’ was more willing to listen to the 68 of the students than to the 69 of the Italian workers. (Here too there is proof ex post facto: in the years that followed, the Party leadership was replenished far more from the ranks of the students than from those of the workers.)“

[20Tronti, Our Operaismo, 122. Übersetzt durch den Autor; orig.: „Politics has an autonomy of its own, even from the cultural framework that sustains and at times legitimates it. We let ourselves get carried away by the fascinating pleasure of alternative thinking. But the lingering doubt remains that the other path may have been the right one: saying a little less and doing a little more. The theoretical discovery of the ‘autonomy of the political’ took place within the practical experience of operaismo; it was only its historical-conceptual elaboration that came later—and with it, the realization of having failed to reach a synthesis of ‘inside and against’.“

[21Ebd., 128. Übersetzt durch den Autor; orig.: „Workers’ struggles determine the course of capitalist development; but capitalist development will use those struggles for its own ends if no organized revolutionary process opens up, capable of changing that balance of forces. It is easy to see this in the case of social struggles in which the entire systemic apparatus of domination repositions itself, reforms, democratizes and stabilizes itself anew.“

[22Vgl. Bellafiore, Between Panzieri and Negri.

[23Toscano, Chronicles of Insurrection, 87. Übersetzt durch den Autor; orig.: „The practice of mass illegality (unilateral reduction of bills, house occupations, and so on), sabotage and violent assertions of the material reality of worker independence, all of which characterized the ‘autonomist’ movement in the 1970s, are thus conceptualized as an attempt to force the structural antagonism and its tendency towards an evergreater arbitrariness of command.“

[24Tronti, Our Operaismo, 135. Übersetzt durch den Autor; orig.: „The radicalization of discourse on the autonomy of the political from the early 70s was born from this failure of the insurrectionary movements, from the workers’ struggles to the youth revolt, that had spanned the decade of the 60s. What was lacking was the decisive intervention of an organized force, which could only have come from the existing workers’ movement, and therefore the Communists.“

[25Bellafiore, Between Panziere and Negri. Übersetzt durch den Autor; orig.: “Potere Operaio forced the Hot Autumn and its aftermath into the straightjacket of a wage-centred vision, failing to see that the struggles of 1968-69 directly damaged levels of work output that the ‘restructuring without investments’ of the mid sixties had already stretched to breaking point. It is not surprising, then, that a few years later Potere Operaio failed to recognise the destructuring force against labour through which capital responded to class struggle within the sphere of production.”

[26Vgl. Romano Alquati, Università, formazione della forza-lavoro e terziarizzazione, In: Aut-Aut, (n. 154: 1976).

[27Paolo Virno, Grammatik der Multitude (Turia + Kant, Wien 2005) 138f.

[28Vgl. Tronti, Arbeiter und Kapital, 26.

[29Vgl. Mario Tronti, Towards a Critique of Political Democrady. In: Cosmos and History: The Journal of Natural and Social Philosophy (vol. 5/1: 2009).

Literatur

  • Romano Alquati, Università, formazione della forza-lavoro e terziarizzazione, In: Aut-Aut, (n. 154: 1976).
  • Mariachiara Fugazza, Dellavolpismo e nuova sinistra. Sul rapporto tra i „Quaderni Rossi“ e il marxismo teorico (Aut-Aut 1975/3).
  • Dario Lanzardo, La rivolta di Piazza Statuto. Torino, Luglio 1962 (Feltrinelli, Mailand 1979).
  • Antonio Negri, The Italian Difference. In: Cosmos and History: The Journal of Natural and Social Philosophy (vol. 5/1: 2009).
  • Karin Priester, Studien zur Staatstheorie des italienischen Marxismus: Gramsci und Della Volpe (Frankfurt/New York 1981).
  • Alberto Toscano, Chronicles of Insurrection: Tronti, Negri and the Subject of Antagonism. In: Cosmos and History: The Journal of Natural and Social Philosophy (vol. 5/1: 2009).
  • Mario Tronti, Arbeiter und Kapital (Neue Kritik, Frankfurt 1974).
  • Mario Tronti, Our Operaism. In: New Left Review (73: 2006).
  • Mario Tronti, Towards a Critique of Political Democrady. In: Cosmos and History: The Journal of Natural and Social Philosophy (vol. 5/1: 2009).
  • Giuseppe Vacca, Introduzzione. In: Giuseppe Vacca (Hg.) Politica e teoria nel marxismo italiano 1959-1969 (Bari 1972).
  • Paolo Virno, Grammatik der Multitude (Turia + Kant, Wien 2005).

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