Ernst Wurm

Geboren am: 30. Juni 1906

Gestorben am: 30. September 1971

Beiträge von Ernst Wurm
FORVM, No. 21

Opern-Erneuerung durch den Sänger

September
1955

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Ernst Wurm (* 30. Juni 1906 in Katzelsdorf; † 30. September 1971 in Wiener Neustadt) war ein österreichischer Schriftsteller.

Ernst Wurm wurde als fünftes Kind nach vier Mädchen eines Försters aus dem Waldviertel in Katzelsdorf geboren, der zu dieser Zeit im Dienste des Herzogs von Parma stand. Als er zwei Jahre alt war, übersiedelte die Familie nach Sigleß im damals noch ungarischen Burgenland, wo der Vater in den Dienst der Familie Hartig und Rottermann trat. Er besuchte die ungarische Volksschule. Nach dem frühen Tod des Vaters übersiedelte Ernst Wurm nach Wiener Neustadt zu Pflegeeltern, zumal seine Mutter Anna, geborene Kainz, aus Wiener Neustadt war. In Wiener Neustadt besuchte er die Unterrealschule und die Städtische Handelsschule. Als Jugendlicher hatte er Kontakte zum Wiener Neustädter Stadttheater und nahm privaten Schauspielunterricht in Wien. Er fand Arbeit als Handelsangestellter und versuchte sich als Schriftsteller. Wurm hatte in Berlin, wohin ihn Ullstein für Besprechungen und Vorträge holte – er erhielt ein Monatsfixum für zwei Jahre –, wertvolle Begegnungen und konnte so seine Arbeit als Handelsangestellter 1930 kündigen. Das Theaterstück Stoßenfreund und Auguste wurde 1931 vom Stadttheater Berlin erworben, eine Aufführung mit Walter Rilla war geplant, fand aber nicht statt. Mit der Novelle Mitnichten der Messias hatte er 1932 seine erste Eigenlesung im Sender Berlin. Er las gemeinsam mit Paula Ludwig, lernte Paul Wiegler, Ödön von Horváth, Erich Mühsam, Ina Seidel und Armin T. Wegner kennen. Max Krell und Max Tau prüften seine Arbeiten. Mit Alexander Moissi hatte er Gespräche zu Tolstoi, Christus und Budda.

Zwischen 1938 und 1945 tat sich Wurm als kulturell breit interessierter, bald äußerst produktiver und gesinnungstreuer Journalist hervor. Im Mai 1938 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP – da man seinen Antrag aber verlegte, wurde er erst Ende 1940 auf erneutes Ansuchen hin aufgenommen.[1] Sein Beitritt zur Reichsschrifttumskammer ist nicht genau datierbar, dürfte aber noch 1941 erfolgt sein.[2] Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme engagierte sich Wurm als kulturjournalistischer Didaktiker. In rund 200 Beiträgen, die ab 1940 mehrheitlich im Völkischen Beobachter erschienen, brachte er der Leserschaft vorzugsweise kulturelle Neuigkeiten, Kunstgeschichtliches und europäische Herrschaftsgeschichte näher. Wurm stand auf zahlreichen nationalsozialistischen Empfehlungslisten, u. a. der sog. ‚Gottbegnadeten-Liste‘,[3] fleißig trat er bei den vom Deutschen Volksbildungswerk organisierten Veranstaltungen auf, vorwiegend in Wien und Niederösterreich.

Dank seines linientreuen Engagements wurde Wurm im Winter 1941 als Landesobmann der Reichsschrifttumskammer im Bereich Literatur bestellt, um in dieser Funktion die Reichsschrifttumskammer weiter aufzubauen.[4] Damit war Wurm einer der wichtigen Kulturfunktionäre in Niederdonau. Vor allem in seinen programmatischen Essays zeigte sich Wurm als glühender Propagandist, der in seinen kulturpolitischen und historischen Texten emphatisch die nationalsozialistische Ideologie vertrat. Mit viel Pathos beschwor Wurm die Auserwähltheit des deutschen Volkes, huldigte dem Führer und erklärte die aktuelle geopologische Situation zum deutschen Schicksalsmoment.

Wurm publizierte auch, nachdem er im März 1944 zur Wehrmacht eingezogen worden war:[5] Noch im März 1945, kurz vor Kriegsende, fanden sich in dem auf wenige Seiten zusammengeschrumpften Völkischen Beobachter, Spalte an Spalte mit Kriegsberichterstattung und offiziellen Durchhalteparolen, erbauliche kurze Erzählungen von Ernst Wurm. 1945 kam er in russische Gefangenschaft und wurde in Döllersheim interniert.[6]

Nach dem Krieg stand er mit seinem gesamten Werk zwar auf der Liste der gesperrten Autoren und Bücher und darüber hinaus im Fokus von Edwin Rollett, dem Präsidenten des Verbandes demokratischer Schriftsteller, der bei der Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur urgierte,[7] Fälle wie jenen Wurms zu prüfen. Mit der Minderbelastetenamnestie von 1948 wurde dies hinfällig, und so blieb Wurm im Kulturleben der Nachkriegszeit eine Person von Einfluss. Nicht nur als Kulturreferent des Bezirks Zwettl[8] und weil er, wie es heißt, sich sehr für jüngere Autoren einsetzte, sondern auch, weil er fast ohne Unterbrechung weiter publizierte.

Als Nachfolger Friedrich Sachers als Leiter der ARGE Literatur des NÖ. Bildungs- und Heimatwerks sorgte Wurm 1964–1970, erneut in eine einflussreiche Position gerückt, dafür, dass seine eigenen Aktivitäten und die befreundeter Autoren in der Zeit zwischen 1938 und 1945 aus Publikationen und Biografien ausgespart blieben.

  • 1955 Staatspreis-Prämie beim Dramatiker-Wettbewerb
  • 1962 Kulturpreis des Landes Niederösterreich
  • 1962 Berufstitel Professor
  • 1966 Ehrenring der Stadt Wiener Neustadt
  • 1971 Silberne Stadtwappennadel der Stadt Wiener Neustadt
  • 1971 Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst
  • 1972 Benennung der Ernst-Wurm-Gasse im sogenannten Dichterviertel in Wiener Neustadt
  • 1973 Gedenkvitrine mit Totenmaske und Werken im Stadtmuseum Wiener Neustadt
  • Prof.-Ernst-Wurm-Gasse in Katzelsdorf
  • Solange die Erde steht. Roman, Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1934. Die Kölnische Zeitung brachte den Vorabdruck.
  • Sien Kraft war in ihm mächtig. Ein Georg Friedrich Händel-Roman. Deutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart 1935.
  • Die Adlerin. Roman der Johanna von Navarra. Speidel, Wien 1936.
  • Der Held von Nedea. Roman, Speidel, Wien 1937.
  • Agneta Tischer. Eine Siebenbürger Erz. Gerh. Stalling, Oldenburg 1937.
  • Musik wie ein Schwert. Erzählung, Grotes Aussaat-Bücher Band 21, Grote, Berlin 1938.
  • Die Sängerin. Zu: Wilhelmine Schröder-Devrient, Grotes Aussaat-Bücher Band 24, Grote, Berlin 1938.
  • Gast und Gottesland. Ein Händelroman. Kaiser Verlag, Böhm. Leipa 1940.
  • Die Unvollendeten. Roman aus Oesterreichs schwerer Zeit. Kaiser Verlag, Böhm. Leipa 1940.
  • Die Messe des Tauben. 2 Musiker-Erzählungen. Die hundert kleinen Bücher Band 11, Zsolnay, Wien 1940.
  • Der Lyriker Josef Weinheber. In: Bozner Tagblatt, 6. Mai 1944, S. 2 (Digitalisat).
  • Medea vom Walde. Roman, ÖVA, Wien 1972.

Einzelnachweise

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  1. Vgl. Bundesarchiv, BArch R 9361-V/40798.
  2. Vgl. Dzugan, Franziska: Chamäleons im Blätterwald. Die Wurzeln der ÖVP-ParteijournalistInnen in Austrofaschismus, Nationalsozialismus, Demokratie und Widerstand. Eine kollektivbiografische Analyse an den Beispielen Wiener Tageszeitung und Linzer Volksblatt 1945 bzw. 1947 bis 1955. Dissertation Universität Wien 2011, S. 180 f.
  3. Vgl. Baur, Uwe/Gradwohl-Schlacher, Karin: Literatur in Österreich 1938–1945. Zensur und Förderung – Literarische Vereine – Anthologien. Bd. 5: Literarisches System in Österreich 1933/1938–1945. Wien etc.: Böhlau 2021, S. 66.
  4. Vgl. ebda.
  5. Vgl. Österreichisches Staatsarchiv, Archiv der Republik, MilEv WStB Wurm Ernst.
  6. Vgl. Edelbauer, Walter: Ich will nicht umsonst gelebt haben. Ernst Wurm. 1906–1971. Wiener Neustadt: merbod [1996], S. 25; Felsenreich, Romeo: Die Journalisten des Völkischen Beobachters – Woher kamen sie? Wohin gingen sie? Magisterarbeit Universität Wien 2012, S. 125 f.
  7. Vgl. Wagner, Claudia: Die Zentralkommission zur Bekämpfung von NS-Literatur. Literaturreinigung auf Österreichisch. Diplomarbeit Universität Wien 2005, S. 81.
  8. Vgl. Hofer, Anton/Pokorny, Brigitte: Das Bildungs- und Heimatwerk Niederösterreich. Die Entwicklung einer innovativen Bildungsorganisation. I: Von 1946 bis 1985. Die ‚Ära Gruber‘. Wien: Bildungs- und Heimatwerk Niederösterreich 2001, S. 11.