Radiosendungen 2001
Juni
2001
Léo Ferré II

La Vie d’Artiste

Sendungsgestaltung: Alexander EmanuelyRobert Zöchling

Léo Ferré klagt nicht an aus dem Nichts, sondern aus einer zerstörten Welt heraus, aus jener der Hoffnung, des goldenen Zeitalters, welches in das kurze Gedächtnis des modernen Menschen nicht hineinpaßt. Er klagt an aus dem goldenen Zeitalter des Jetzt. Er sitzt in seiner Künstlerwelt — Kunstwelt — in einer Welt für sich, genau so vielleicht wie jene der Kindheit, jene des Buschfeuers Verleger, jene des Feuerwerks der Bohême in absurden Ländern und bewirft alle und alles mit der Munition seiner Musik-Gedichte.

Je te donne ces vers — „Ich gebe dir diese Verse“ von Baudelaire:

Ich gebe dir diese Verse damit, wenn mein Name wirklich die fernen Epochen glücklich erreicht und einen Abend träumen läßt die menschlichen Hirne, diese vom Nordwind bevorzugten Schiffe ...

Das bevorzugte Schiff der Kindheit: Der kleine Mantel, der wie ein Segel zur Reise einlädt, um zu den zwanzig Jahren zu kommen. Entweder alles oder nichts — aber in Wirklichkeit nie alles und nie nichts.

La pélerine — „Der kleine Mantel“ gefolgt von Vingt ans — „Zwanzig Jahre“, interpretiert von Nicole Croisille und Paul Piché, und Tout ce que tu veux — „Alles was du willst“.

Auf das Nichts, das dich zu dem macht was du bist, wenn du an nichts glaubst. Auf diese Gesänge der Nacht auf die sterbenden Dinge. Auf den Schatten den ich verwende, um dich zu erhellen. Auf das Böse, welches seine Visage in den Grund einer Puderdose steckt.

Das Leben des Künstlers: einsam, aufgefressen zwischen zerstörten Beziehungen, erfolglosen Jahren, Spezialistentum, mutwilligen Verlegern. Und dann Paris: die Stadt der großen Fressen des Bürgers — und der gefressenen Dichter.

Zu hören: La vie d’artiste gesungen von Barbara, Les spécialistes — „Die Spezialisten“, Monsieur Barclay — Inhaber des gleichnamigen Labels, Vison l’éditeur zielt auf den Verleger, À Saint Germain des Près und Gaby.

Die Literatur ist der Preis den man bezahlen mußte für diese Schreiberlinge, damit diese Schreiberlinge uns erlaubten zu atmen in St. Germain. Alle krepiert, diese Schreiber. Und ihre Bücher grüßen sie. Es war halt notwendig, daß sie jemanden haben der sie anschaut, der ihnen zuhört in der Stille des Nichts.
Mein Leben ist ein Slalom, eine Abwesenheit, eine Hoffnung, die versucht aufzustehen und liegenbleibt im schreienden und von der Sonne der Nacht geleckten Schatten: besiegt, versaut, mit der Ausrede der Hoffnungslosigkeit, die beruhigt wie eine Decke.

Dann der Polster der Unterdrückung: so nah, daß man ihn nicht mehr sieht. Aber was soll’s — wenn du Rock bist, Coco! — was soll’s.

Ma vie est un slalom, gefolgt von Nuits d’absence — „Nächte der Abwesenheit“, L’oppression — „Die Unterdrückung“ und T’es Rock, Coco! — „Du bist Rock, Coco!“.

Gestaltet haben diesmal die Sendung: Alexander Schürmann-Emanuely und Robert Zöchling.

Und noch eine Botschaft an alle Albatrosse: Laßt eure Flügel nicht stutzen!

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