radiX, Aussendungen
November
2000

Rassistische und NS-verharmlosende Bahamas

Mit der jüngsten Ausgabe der BAHAMAS (Nr. 33, Herbst 2000), hat sich diese einst antinationale Zeitschrift zu einem rassistischen und NS-verharmlosenden Sudelblatt gewandelt.

Wer unsere Aussendungen zum Thema Antisemitismus (in der Linken) und unsere Texte zum Konflikt im Nahen Osten gelesen hat, weiß, daß wir immer gegen jeden Antisemitismus massiv aufgetreten sind und immer versucht haben den Konflikt im Nahen Osten so differenziert wie möglich zu betrachten und nicht in völkischen Kollektiven, weder in palästinensischen noch in israelischen zu denken. Wenn wir nun aber die RKL wochenlang für ihren Antisemitismus kritisieren, dann müssen wir nun auch die in der hiesigen Szene ebenfalls beliebte ¼ jährlich in Berlin erscheinende Zeitschrift BAHAMAS kritisieren.

Horst Pankow schreibt unter dem Titel „Kindermörder“ einiges zusammen, was nicht nur einen aggressiven antiarabischen Rassismus verrät, sondern auch den nationalsozialistischen Vernichtungsantisemitismus mit dem sehr oft (aber nicht immer) antisemitischen Kampf palästinensischer Guppen gleichsetzt. Er schreibt u.a.: „Mit den sogenannten Palästinensern steht Israel das derzeit aggressivste antisemitische Kollektiv gegenüber. [...] Ähnlich wie der nationalsozialistische Vernichtungs-Antisemitismus scheut auch dessen aktuelle palästinensische Variante kein persönliches Opfer und schreckt auch nicht vor der zynischen Aufopferung der eigenen Gefolgschaft zurück. Wenn es nur das Ziel der Vernichtung der Juden voranbringt, werden selbst Kinder massenhaft in den“Märtyrer„-Tod geschickt. Die palästinensischen Judenhasser treiben dabei eine Methode auf die Spitze, die bereits im Bosnien-Krieg von ihren muslimischen Glaubensbrüdern praktiziert wurde: Muslimische Stellungen feuern aus Krankenhäusern, Kindergärten und Schulen auf die serbischen“Belagerer„Sarajewos und wenn diese dann zurückschossen, hatte man die von den westlichen Fernsehteams sehnsüchtig erwarteten“unschuldigen Opfer„.“ Wer mit solchem Zynismus die Staatsmacht, deren Armee es immer noch ist, die auf die angesprochenen palästinensischen Kinder schießt, von jeder Schuld freispricht und behaupten will, daß „Araber“ nun mal alle ihre eigenen Kinder aufopfern würden um nur Jüdinnen und Juden vernichten zu können und dann noch glaubt, all dieses halluzinierte Zeug als die „aktuelle palästinensische Variante“ des „nationalsozialistischen Vernichtungs-Antisemitismus“ bezeichnen zu müssen, ist nicht nur Rassist, sondern auch ein Verharmloser der Schoa.

Insofern ist es kein Wunder, wenn Horst Pankow im Einklang mit Ariel Sharon und rechtsextremen Siedlerverbänden, der israelischen Regierung Folgendes empfiehlt: „Der israelische Staat kann sich der palästinensischen Vernichtungswut, die Selbstvernichtung achselzuckend in Kauf nimmt, nur durch äußerste Härte erwehren.“

Horst Pankow ist aber kein verbaler Einzeltäter, sondern befindet sich im Einklang mit den anderen Autoren dieser Bahamas-Nummer. Unter dem Titel „Beruf: Palästinenser“ schreibt Justus Wertmüller u.a.: „Zwar wird es unbegreiflich bleiben, was das für Mütter, Väter oder ältere Geschwister sind, die diesen Halbwüchsigen ihr lebensgefährliches Agieren erlauben. Daß die Hinopferung der Kinder politisches Kapital fürs völkische Projekt ist, läßt sich schwer bestreiten.“ Und auch Wertmüller spricht vom Pogrom, nämlich vom Pogrom der Palästinenser an den Israelis, und schildert uns, daß der „islamische Pogromist“ noch schlimmer ist als alle anderen, also wohl auch als der deutsche: „Das zur Stiftung nationaler Identität verewigte Pogrom kennt, anders als das klassische, die Vergänglichkeit der bösen Leidenschaft nicht mehr. Der mörderischen Aufwallung folgt keineswegs die Erschlaffung im gestillten Blutdurst, da es der islamische Pogromist noch nicht einmal zum Pogrombürger bringen will, der sich nach vollbrachter Bluttat wieder damit beschäftigt, seinen Nachbarn zu übervorteilen. Weil er dem Nachbarn gleich ist und ihm bestenfalls“jüdischer Schandtaten„überführen kann, wie der Unzucht oder der Menschenscheue, gerät ihm die Leidenschaft des Mordens zur ständigen Gefühlsäußerung.“

So viel geballter Rassismus auf einmal macht den „islamischen Pogromisten“ gleich zum noch größeren Ungeheuer als den guten deutschen „Pogrombürger“, der Juden ja nicht mit der „Leidenschaft des Mordens“ zu Millionen vernichtet hat, sondern mit deutscher Gründlichkeit industriell-bürokratisch vergast hat.

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Bahamas
Bahamas Logo
Erstausgabe 1992
Erscheinungsweise 2–3 × jährlich
Weblink redaktion-bahamas.org
ISSN (Print)

Bahamas ist eine politische Zeitschrift.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde die Bahamas 1992 in Hamburg durch die damals von der Minderheitsfraktion des aufgelösten Kommunistischen Bundes (KB) gebildete Gruppe K, eine einst maoistische Gruppe. In einer Auseinandersetzung soll Knut Mellenthin, ein Sprecher der Mehrheit, der Minderheit wegen ihrer pessimistischen Aussteigerhaltung nahegelegt haben, doch „auf die Bahamas auszuwandern“. Die KB-Minderheit/Gruppe K griff dies ironisch in der Namensgebung ihres Publikationsorgans auf.[1] Ein Mitglied und Mitherausgeber war damals der Journalist Jürgen Elsässer, der 1990 im Vorläufer, der KB-Zeitung Arbeiterkampf, den programmatischen Artikel Warum die Linke antideutsch sein muß, geschrieben hatte.[2]

Unter der Berufung auf die Kritische Theorie,[3] insbesondere auf Theodor W. Adorno, wurde eine weitergehende Distanzierung von überkommenen Positionen der Linken vollzogen und nun der Antisemitismus in den Fokus gerückt.

2006 erwähnte das Landesamt für Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen die Bahamas in der Publikation Die Antideutschen – kein vorübergehendes Phänomen als Szeneblatt des linksradikalen Spektrums der Antideutschen.[4] Rudolf van Hüllen ordnet die Bahamas innerhalb der linksradikalen Szene als „informelle[s] ideologische[s] Zentralorgan der Antideutschen“ ein.[5]

Die bedingungslose Solidarität mit Israel erklärte man zum obersten Prinzip.[6]

Autoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ehemalige bzw. aktuelle Autoren der Zeitschrift Bahamas:[7]

  • Matthias Achersleben
  • Klaus Anton
  • Stefan Baum
  • Thomas Becker
  • Andreas Benl
  • Reinhold Brenner
  • Joachim Bruhn
  • Berthold Brunner
  • Alex Carstiuc
  • Manfred Dahlmann
  • Andrea Dielle
  • Devi Dumbadze
  • Knut Egbers
  • Rajko Eichkamp
  • Ulrich Enderwitz
  • Mark Felton
  • Paulette Gensler
  • Jan-Georg Gerber
  • Knut Germar
  • Nina Grebe
  • Stephan Grigat
  • Dominique Goubelle
  • Tina Heinz
  • Jörg Huber
  • Martin Janz
  • Nicole Jesen
  • Jovan Jovanovic
  • Franz Katz
  • Fabian Kettner
  • Magnus Klaue
  • Katharina Klingan
  • Christian Knoop
  • Michael Koltan
  • Uli Krug
  • Matthias Küntzel
  • Tjark Kunstreich
  • Carlos Kunze
  • Anton Landgraf
  • Daniel Laskell
  • Lisa Lübars
  • Marcel Malachowski
  • Thomas Maul
  • Felix Mauser
  • Mario Möller
  • Jurek Molnar
  • Elfriede Müller
  • Clemens Nachtmann
  • Karl Nele
  • Horst Pankow
  • Felix Perrefort
  • Sonja Petersen
  • Mario Poggia
  • Sören Pünjer
  • Lars Quadfasel
  • Samuel Salzborn
  • Gerhard Scheit
  • Birgit Schmidt
  • David Schneider
  • Sabine Schulzendorf
  • Sara Shostakovich
  • Kerstin Stakemeier
  • Martin Stobbe
  • Dieter Sturm
  • Stefan Vogt
  • Bernd Volkert
  • Christian Wagner
  • Ingo Way
  • Klaus Wehmeier
  • Justus Wertmüller
  • Heinz Willemsen
  • Jutta Willutzki
  • Natascha Wilting
  • Philippe Witzmann
  • Murat Yörük
  • Otto Zeiger

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Schmid: Deutschlandreise in die „Bahamas“. Vom Produkt der Linken zur neo-autoritären Sekte. In: Gerhard Hanloser (Hrsg.): „Sie warn die Antideutschesten der deutschen Linken“. UNRAST-Verlag, Münster 2004, ISBN 3-89771-432-9, S. 25.
  2. Jürgen P. Lang: Biographisches Porträt: Jürgen Elsässer, Baden-Baden 2016, S. 226f.
  3. Justus Wertmüller: Bahamas – Ideologiekritisch und sonst nichts. In: redaktion-bahamas.org. 2009, abgerufen am 3. Januar 2016 (57/2009).
    Jörn Schulz: Tagung: Radikal pro Israel – Jüdische Allgemeine. In: juedische-allgemeine.de. 20. Februar 2014, abgerufen am 3. Januar 2016.
  4. Innenministerium NRW: Die Antideutschen – kein vorübergehendes Phänomen (Memento vom 5. März 2017 im Internet Archive), mik.nrw.de, Oktober 2006. (PDF; 123 kB)
  5. Bundeszentrale für politische Bildung: „Antiimperialistische“ und „antideutsche“ Strömungen im deutschen Linksextremismus, bpb.de, 5. Januar 2015.
  6. Redaktion Bahamas: Für Israel – Gegen die palästinensische Konterrevolution. Abgerufen am 29. April 2016.
  7. Bahamas – Heft-Archiv In: redaktion-bahamas.org, abgerufen am 24. Juli 2019.