radiX, Aussendungen
Mai
2002

Siegfriedskopf: morgen Mittwoch!

Letzten Mittwoch befanden sich rund 25 Burschenschafter in ihren Uniformen beim Siegfriedskopf auf der Uni Wien und verteilten rechtsextreme Flugblätter unter dem Schutz der Stapo, Polizei und eines privaten — sehr martialisch auftretenden — Sicherheitsdienstes, der von der Universität bezahlt wird. Aus unserer Sicht wäre es wichtig diese Woche ein solches Auftreten zu verhindern.

Dazu wäre es notwendig sich um 11.00h beim Siegfriedskopf in der Aula einzufinden.

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Siegfriedskopf

Der Siegfriedskopf ist ein Gefallenendenkmal des Bildhauers Josef Müllner, das am 9. November 1923 in der Aula des Hauptgebäudes der Universität Wien aufgestellt wurde. Im Zuge der Neugestaltung der Aula von 2003 bis 2006 erhielt das seit langem umstrittene Objekt einen neuen, weniger prominenten Standort im hinteren Bereich des Arkadenhofs.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Denkmal wurde 1923 durch die damals antisemitisch und antidemokratisch orientierte Deutsche Studentenschaft der Universität Wien aufgestellt. Es sollte an die im Ersten Weltkrieg gestorbenen Studenten und Lehrer der Universität erinnern. Nach Ansicht von Kritikern spielte es auf die Siegfried-Mythologie an und implizit auf die Dolchstoßlegende. Als Verteidiger der traditionellen Rolle des Denkmals traten vor allem Burschenschafter auf. Der selbst aus dem rechten politischen Lager kommende Historiker Adam Wandruszka verwies auf die paradoxe Tatsache, dass als Modell für den Kopf des germanischen Heldenjünglings der jüdische Mediziner Georg Politzer gestanden sei.[1]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der akademische Senat der Universität hatte schon am 28. Juni 1990 eine Verlegung in den Arkadenhof beschlossen, scheiterte jedoch zunächst am Widerspruch des Bundesdenkmalamts. Schließlich erfolgte die Versetzung 2006. Die im Zuge dessen geschaffene Glasumhüllung des Kopfes dient sowohl dem Schutz der einige Jahre zuvor beschädigten Plastik als auch der Distanzierung.[2] Der schützende Glassturz aus mehreren Kuben ist zugleich ein Träger von Textbeiträgen und Fotografien. Auf dem äußersten Kubus findet sich ein autobiografischer Erinnerungstext der jüdischen Germanistin, Pädagogin und Schriftstellerin Minna Lachs. „Wir wollten den Siegfriedskopf nicht eins zu eins wieder aufstellen, sondern einer verstärkten historischen Analyse unterwerfen“, sagte Rektor Georg Winckler bei der Aufstellung. Den Auftrag für die Konzeption und Durchführung erhielt das Künstlerpaar Bele Marx und Gilles Mussard.[3]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erwin A. Schmidl: Habsburgs jüdische Soldaten, 1788–1918. Böhlau, Wien 2014, ISBN 978-3-205-79567-4, speziell S. 131.
  • Ulrike Davy, Thomas Vašek: Der Siegfried Kopf: eine Auseinandersetzung um ein Denkmal in der Universität Wien. WUV Universitätsverlag, Wien 1991, ISBN 3-85114-060-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Tageszeitung Die Presse, Wien, 27. Juli 1990, S. 16.
  2. Uni Wien: "Siegfriedskopf" wechselt Standort. orf.at, 13. Juli 2006, abgerufen am 12. September 2014.
  3. Herbert Posch: "Kontroverse Siegfriedskopf". 2. Oktober 2015, abgerufen am 1. September 2023.

Koordinaten: 48° 12′ 48″ N, 16° 21′ 35,5″ O